Full text : Zwanzig Jahre Krüppelfürsorge im Oscar-Helene-Heim für Heilung und Erziehung gebrechlicher Kinder

lassen, sondern sich auch der Soziologie zuwenden. Der Krüppel soll sich innerlich
möglichst unabhängig von fremder Hilfe fühlen und zur Freude am Gemeinschafts⸗
seben geführt werden.

So haben sich gerade in unserer Anstalt Orthopäde und Pädagoge in der „Ge⸗
meinschafts- und Vervollständigungsarbeit der Krüppelpädagogik“ zusammen—
geschlossen, und die Tätigkeit des Arztes und Schulmannes sieht somit in organischer
Arbeitsgemeinschaft.

Aus solchen grundsätzlichen Erwägungen heraus, wie sie später ihre Formu—
lierung gefunden haben, hat die Anstalt schon als erste Oberin eine Dems angestellt,
die nicht nur geprüfte Krankenpflegerin, sondern gleich—
zeitig auch Lehrerin und Turn⸗- und Handarbeitslehrerin
war. Im alten Urban wurde dann einem Erziehungs—
inspektor die Abteilung anvertraut, die heute Herr
Erziehungsdirektor Hans Würtz seit 1911 leitet. Ihm
steht für Erziehung und Schule folgendes Lehrer—
kollegium zur Seite: die Herren Paul Meusling,
herbert Tiaden, Bernhard Krusemann; die Damen
Nora Esters, Ursula Scherz, Margarete Kunzendorf,
Emilie von Seefeld, Schwester Thea, Käte Korte; dazu
Dr. Papke, städtischer Diplomhandelslehrer und Volks—
wirtschaftler, für die Berufsschule, und für die Handwerks—
zöglinge Werkstätteninspektor Reinhard Zeibig, dazu die
Meister der Werkstätten, welche für ihre Lehrlinge den
Fachunterricht erteilen.
Für die geistig Normalen sind vorhanden: Kinderzgarten
 und Kinderhort sowie eine dreiklassige
Normalschule. Um der Besonderheit der Kinder gerecht zu
werden, wird im Unterricht in weitestgehender Weise
Rüchsicht auf die bei vielen Gebrechlichen sehr hochgraddig
auftretende körperliche und geistige Ermüdbarkeit gege —
nommen. Die Schwachen werden in einer besonderen Sorossenwand
Hilfsklasse gesammelt, die an den Händen Behinderten einer besonderen
ßHandübungsklasse zugeteilt, für welche ein Arzt der Anstalt die
jeweils erforderlichen Uebungen angibt. Neue und durch Erfahrung be—
währte Methoden gestalten den Unterricht abwechslungsreicher und ziehen die
Sinnestätigkeit der Kinder zum Zwecke der Belebung der Aufmerksamkeit mit
heran. Wer das Bett nicht verlassen oder im Bett oder Selbstfahrer nicht zur
Schule kommen kann, wird auf der Krankenabteilung unterrichtet.
Der Schulunterricht wird während der ärztlichen Behandlung nicht unterbrochen,

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