Full text : Zwanzig Jahre Krüppelfürsorge im Oscar-Helene-Heim für Heilung und Erziehung gebrechlicher Kinder

Ganz außerordentlich gut sind die Erfolge bei der Behandlung des Klump-—
jußes und desschweren Plattfußes, wobei die Klinik nach der Methode
von Schultze-Duisburg so gut wie immer unblutig vorgeht und den Fuß in dem
Schultzeschen Apparat umformt.
Eine große Abteilung bilden bei uns die Kranken mit Knochen- und
Belenktuberkulose, für die der Wald und die vortreffliche Luft einschließ—
lich der Sonne das Hauptheilmittel sind, obwohl gerade unsere Klinik in aus—
giebiger Weise Gipsverbände, orthopädische Apparate und in einzelnen Fällen, wo
es nötig erscheint, auch blutige Operationen anwendet.
Für alle außerhalb der Orthopädie liegenden Gebiete steht uns in Berlin und
in Zehlendorf eine Reihe von Fachär zten zur Verfügung, die in der freund—
lichsten Weise uns bei der Heilung unterstützen. Wir stellen mit herzlichem Dank
ür die geleistete Hilfe die Namen derjenigen Herren zusammen, die seit Begründung
unserer Anstalt bei uns als Consiliarii tätig waren oder noch sind: für
Nervenkrankheiten Dr. Koschel, Dr. Kempner, Prof. Simons, Prof.
Cassirer , Prof. Oppenheim F, Prof. Laehr, Prof. Henneberg; für innere
Krankheiten: Prof. Fleischmann, Prof. Rautenberg; für Hals-, Nasen-,
Ohrenkrankheiten: San.Rat Beckmann, Dr. Sladowski; für Augen—
krankheiten: Dr. Schweigger, Dr. Koch, Dr. Oppenheimer; für Haut—
krankheiten: Prof. Bruhns, Dr. Bornemann; für Kinderkrankheiten:
Dr. Reiche, Prof. Rott, Prof. Erich Müller; für Zahnkrankheiten: Dr.
Brackel, Dr. Kaiserling, Dr. Bibent, Dr. Ganzer, Dr. Koeppen, Dr. Schlemmer,
Dr. Schmidt.
Eine besondere und von der Klinik seit Anbeginn zielbewußt geförderte Abteilung
ist die orthopädische Werkstatt unter Leitung von Reinhard Zeibig, dem auch
die orthopädische Versuchs- und Lehrwerkstätte unterstellt ist. Auch der Laie weiß,
daß vornehmlich durch Hessing die Kunst, orthopädische Apparate zu bauen, in
Deutschland seit mehr als einem halben Jahrhundert eine hohe und allseitig an—
erkannte war. Unsere orthopädische Werkstatt aber ist weit über Hessing hinaus—
zegangen, indem sie in immer weiterem Umfange nicht so sehr Apparate baute,
die unveränderlich nur den jeweils erreichten Zustand bewahren, wie etwa die
Redression eines Fußes, sondern solche Apparate, die lebendige Kräfte enthalten,
indem nämlich durch Schraubvorrichtungen die Korrektur des Gliedes immer weiter
getrieben werden kann. Unter den Abbildungen klinischer Fälle, die das eben
Besagte in Kürze weiter erläutern, finden sich auch einige solcher Apparate als
Stichproben. Die dem Stützapparat und insbesondere den sehr wichtigen, während
der Nacht zu tragenden Schienen einverleibten Kräfte schaffen nämlich für den
ganzen Körper sehr bedeutungsvolle physiologische Zustände und Reizwirkungen,
die insbesondere bei den Lähmungen, aber auch bei den Klump- und Plattfüßen und
ähnlichem ausgezeichnete Heilungen ergeben. Dieses Prinzip im Apparatebau ent—