Full text : Zwanzig Jahre Krüppelfürsorge im Oscar-Helene-Heim für Heilung und Erziehung gebrechlicher Kinder

indauernd gestiegen, bis es heute die Höhe von 6,20 Mark für Pfleglinge über
14 Jahren und 5,45 Mark für solche unter 14 Jahren erreicht hat. Dafür erhalten
die Kinder, soweit sie klinischer Behandlung bedürfen, die gesamte Behandlung,
d. h. blutige und unblutige Operationen, Gipse, Lagerungsvorrichtungen, Elektri—
sation, Massage, Gymnastik, Medikomechanik, Heißluft, Diathermie, Höhensonne,
handübungen usw., ferner alle Röntgenaufnahmen, Beköstigung, Leibwäsche,
Anstaltskleidung und die Beschulung in ihren verschiedenen Formen. Für die
handwerkszöglinge werden im ersten und zweiten Lehrjahre 6,20 Mark, im
dritten 4,5 Mark, im vierten 3,10 Mark gezahlt. Besonders berechnet werden
nur orthopädische Apparate und Kunstglieder und orthopädisches Schuhwerk.
Wenn man in Erwägung zieht, daß andere Krüppelheime mit niedrigerem Pflege—
satz einen Teil der Behandlung (Gipse, Operationsunkosten, Lagerungen) sowie die
Röntgenaufnahmen bezahlt bekommen, daß die Pfleglinge genügende Ausrüstung
an Wäsche und Kleidung mitbringen, daß die Anstalten nicht an die hohen Berliner
Tarife gebunden sind, vielleicht eigene Landwirtschaft und Viehzucht haben und
häufig über eine weit geringere Zahl an Helfern (Aerzten, Lehrern usw.) verfügen,
so wird man die uns bewilligten Sätze als gering bezeichnen müssen, denn hinter uns
steht kein konfessioneller oder sonstiger Verband, sondern nur ein kleiner Verein, dem
wir nur wünschen können, daß er seine Mitgliederzahl ins Vielfache steigern möge,
damit der Vereinszuschuß, der im vorigen Jahre 4500 Mark betrug, uns eine
wirkliche Stütze werde.

Neben der dritten Klasse hat die Anstalt auch eine erste und zweite Klasse von
insgesamt 30 Betten eingerichtet, damit hier auch die Kinder des Mittelstandes
und der wohlhabenden Bevölkerung die Segnungen eines Krüppelheims, d. h. der
Zusammenarbeit von Klinik, Schule und Handwerkslehre, genießen können, was
bis dahin nur an 'wenigen Stellen der Fall war. Die höheren Pflegesätze und die
Verpflichtung, besondere Aufwendungen auch besonders zu bezahlen, bringen so
dem Hause eine erwünschte Mehreinnahme, die dann wieder im Kreislauf der
dritten Klasse zugute kommt.
Das Vermögen der Anstalt besteht in erster Reihe in dem Besitz an Grund und
Boden und den Gebäuden nebst Einrichtungen. Der Wert ist ein beträchtlicher,
aber auch die hypothekarische Belastung ift erheblich. Dem Verein gehört ferner
die Oscar Pintsch-Stiftung in ursprünglicher Höhe von 500 000 Mark, doch ist
diese in der Inflation bis auf wenige tausend Mark zusammengeschmolzen, und
das gleiche Schicksal ereilten auch die hohen Vermächtnisse des Schuldirektors
Wilhelm Dornstedt und des Fräuleins Toni Schulz sowie einige kleinere Hinter—
assenschaften.
Die zuständigen Behörden des Reiches und von Preußen haben die Anstalt als
ceichs- und staatswichtig anerkannt, bezeigen ihr das größte Wohlwollen, aber die