Full text : Die deutsche Frau im Dienste der Fürsorge für Kriegsbeschädigte

Hier müfen wir Frauen Helfen, und wir Können e8 tun, wenn
wir unjer weiblihes Mitempfinden in den Dienft der Nächftenkiebe
itellen, diefe armen, gramgebeugten Familien auffuchen, ihnen helfen,
ihr Leid zu tragen, Ddasfelbe Iindern.
Das it eine Sache der Per]önlichkeit; es will auch gelernt fein,
und man wird e$ lernen, wenn man von Herzen bemüht ift,- fih in
die Lage, die Sorgen, den Gedankengang diefer Männer und Frauen
Hineinzuleben, fie zu verftehen und zu behandeln, wenn man fih auch
durch eine vielleicht nicht angenehme Erfahrung nicht abfchrecken läßt
im dem Verfuch, das Vertrauen auch diejer Menfchen zu gewinnen.
Unfere Fürjorge foll keine WohHltätigkeit fein, fondern eine
Wohlfahrt; nicht das mehr oder weniger befhämende Almofen 1oll
geboten werden, jondern die moralifche Unterftüßung, die Selbfthilfe,
die Geduld. Wir fhenfen alfo Fein Geld, aber unfer Herz. Alle
Mittel des Irojtes ind in unferer Hand, wenn wir fie anzuwenden
verjtegen. Die Religion, die eigene Lebenserfahrung, das Mitemnpfinden.
Dazu tritt die Belehrung über diejenigen Hilfs= und Heilmittel, welche
der Staat, die ärztlidhe Kunft mit ihrem fo Herrliden Anpafungsvermögen,
 mit ihren Fortfchritten den KriegSverlegten bieten, durch
welche jene Angehörige die frohe Kunde erfahren, daß der „Krüppel“
nach Ddiefem Kriege, foweit e8 irgendwie zu erreichen ift, wieder ein
arbeitSfreudiger und arbeitsfähiger Menfch werden [oll, deffen Verdienft
nicht nur feine Familie ernährt, fondern deffen Rente ihnen eine
zewijte Sicherheit und em {tehendes Einkommen bringt.
So fönnen die Sorgen diejer Familien [OHwinden, wenn e8
gelingt, einer vielfach Jhon jet zu Tage tretenden bemerkenswerten
Mujfallung einiger Zrauen in Mrbeiterkreifen wirkfjam entgegenzutreten.
Mir it von berufener Seite mitgeteilt worden, daß zahlreiche
‚rauen der Arbeiter der AYuffaljung find, daß ihre gefunden Männer
nad) dem Kriege nicht mehr zu arbeiten brauchten, weil die dem
VBaterlande gebotene Leiftung dasfjelbe verpflichtet, diefe Männer. fortab
zu unterhalten; für die friegSverlegten Ernährer ihrer Familien mürde
dieje Anfhauung alfo mit doppeltem Recht gelten.
Diejen und ähnlichen Anfhauungen müjfen wir entgegenarbeiten.
Wir müjen den Frauen Harmachen, daß der das Vaterland verteiz
digende Krieger Lediglich einer PflidhHt genügt hat, gegenüber dem
Staat, aber aud) gegen fich felbjt; daß Befriedigung und Würdigfkeit
in das Familienleben nie einfehren können, wenn der Krieg fpäter
Müßiggänger erzeugt, und alle Mikftände foldhen Lebens, die Irunk-