Full text : Die deutsche Frau im Dienste der Fürsorge für Kriegsbeschädigte

was das neue Leben nach dem Entlajjen aus den Militärverhältnis
ihn und den Seinigen bringt.
Trog des beften Willens, das Leben den früheren Verhältniffen
möglichft ähnlich zu geftalten, wird diefer Wunfih mandes Mal an
der Natur feiner Verwundungen oder Erkrankungen fcheitern. Das
innerliche Einverftändnis mit feinem Schifjal foll dann Arbeitstätigkeit
und die erneute Arbeitspflidt bedingen, und diefe bei der Neberleitung
in bie veränderten Verhältnifje dem neuen Leben angepaßt werden.
Diefe Aufgabe it wichtig; fie Hat auch einen gewiffen Reiz,
weil die Betätigung in den Lazaretten viel Intereffante3 bietet, und
ınan bei den Kriegsverlegten — fowie man Deren Vertrauen ges
ivonnen — viel Verftändnis und Entgegenfkommen für diefelbe findet.
Aber die zweite Aufgabe Halte ich faft für die wichtigere, und
lie üt ungleich fAHwerer, weil man oft mit unbekannten Zahlen rechnen
muß, und e8 fih nicht verdrießen lajjen darf, wenn die Gegenliebe
lich nicht fo fAnell zeigt. Ich meine die zürjorge für die Angehörigen
der KriegSverleßten.
Wir müljen uns vergegenwärtigen, wie [Her diefe Angehörigen
‚eiden müjfen, deren Ernährer durch den Verluft eines oder mehrerer
®lieder oder infolge eines fürperlidhen LeidenS nicht fo gefund heim:
fehrt, wie er von ihnen gegangen ift; wenn fie von der Notwendigkeit
übergeugt werden, fih in andere Verhältniffe zu finden. Entweder
fann der Mann feinen bisherigen Beruf nur teilweife ausüben, oder
er muß umlernen, oder er muß fogar mit den Seinen ganz andere
Cebenswege einfOlagen. Das bringt zu dem Kummer, weldhe jede
Berwundung in unferer aller Familien trägt, auch noch die Sorge;
und baß Diefe Sorge aud noch den Kummer bittrer macht und die
Stimmung diejfer Frauen und Angehörigen beeinflußt, wer will es
‘Dnen verdenfen? Sind wir denn fo forgenfrei unfer Leben lang ges
mejen, daß wir e8 ihnen nicht nachfühlen Können; und dabei hing
nicht fo viel davon ab wie hei diefen armen Frauen!
Das täglidhe Brot reichte gerade hei dem früheren Verdienft des
Mannes; wie fol das werden, wenn dasfelbe fehlt, und noch Ddazıut
der Mann und fein Siechtum getragen werden muß? Man Hatte den
Haushalt und die Erziehung der Kinder auf eine beftimmte Summe
eingejtellt; was foll daraus werden, wenn dies nicht mehr zu erreihen
 ijft? € gilt ein Umdenken für ale Mitglieder, ein DVerzihten
 auf Zukunftspläne; wer will fiH wundern, wenn die Sorgen
ibermältigend wirken?