Full text : Ueber Prothesen bei Amputationen des Armes insbesondere des Oberarmes

verloren haben, weil da noch die Gelenkverbindungen verhältnismässig
 nachgiebig sind und vor allen Dingen der hochgesteigerte
 Trieb in dem Menschen wohnt, Bewegungen auszuführen
 und zu erlernen. Zu diesen Jugendlichen können
ganz gut auch noch die Soldaten gerechnet werden, welche im
Anfang der 20er Jahre stehen. Entscheidend ist unter allen
Umständen in erster Reihe der Wille des Mannes. Die
schönste Prothese ist völlig wertlos, wenn der Mann nicht von
dem heiligen Eifer, ja, man kann fast sagen, von der Manie
besessen ist, den Stumpf soweit wie irgend möglich auszunutzen.
 Hinderlich wirkt auf die Entschliessungen des
Mannes die Furcht, dass er einen Teil seiner Rente verlieren
könne, wenn er zu arbeiten anfängt. Jedenfalls sollte der Arzt,
wenn er einen händelosen Kranken vor sich hat, nicht zuerst
an einen Ersatz der Hände denken, sondern nur daran, dass
der Mann mit den Stümpfen alles machen lernt, und höchstens
 für diese oder jene Verrichtung, z. B. Schmieden, eine
möglichst einfache Arbeitsvorrichtung anschnallt. Die Haut
muss stets unbedeckt bleiben, damit sie sich abhärtet und bei
der Arbeit das Oberflächen- und Tiefengefühl voll ausgenutzt
wird,
Für die täglichen Verrichtungen des Lebens genügt ein
Arm vollständig. Sehr schnell haben unsere Soldaten,
namentlich die Offiziere, ihn so zu gebrauchen gelernt, dass
sie im vollen Genuss ihrer Lebensfreude verbleiben werden.
Die einzige Schwierigkeit macht das Putzen und Reinigen der einen
Mand. Manche waschen sie sich an den Bartstoppeln des eigenen
Kinns, das ist nun teils Geschmacksache, teils abhängig von dem
Vorhandensein und üppigen Wachstum eines Bartes. Auch die eigene
Achselhöhle benutzen manche dazu, was mir noch weniger appetitlich
 erscheint. Am besten ist es, wenn der Betreffende sich eine
Nagelbürste gewöhnlicher Grösse oder noch besser eine Nagelbürste
von der Grösse eines kleinen Zahlbretts irgendwo fest montieren
lässt und darauf Hand und Finger mit Seife abbürstet. Um beim
Waschen die Schulter und Achselhöhle des gesunden Armes erreichen
 zu können, ist das geeignetste und überall käufliche Werkzeug
 ein Luffaschwamm an einem Holzstiel.
Mit einem gesunden Arm können alle diejenigen Berufe
ausgeübt werden, die kein handwerkliches Zusammenarbeiten
beider Arme verlangen und es genügt dann, wenn an dem
Stumpf des verstümmelten Armes einfach ein Kunstglied getragen
 wird, das nur den Schönheitsfehler verdeckt. Dafür
sind die von den Bandagisten gelieferten Modelle im grossen
und ganzen ausreichend. Die Hand sei unter allen Umständen
abnehmbar, damit kleine Ersatzstücke angesteckt werden
können, mit denen auch der Bürobeamte oder Lehrer eine
Zahl anderer Verrichtungen vornehmen können, z. B. bei