Full text : Ueber Prothesen bei Amputationen des Armes insbesondere des Oberarmes

tung im Raum zu fassen und festzuhalten. Ihre Konstruktion ist aus
der Zeichnung ersichtlich und wenn man statt der Schraube eine
durch einen Hebel zu betätigende Feder anbringt, so kann derselbe
Griff auch von jemand betätigt werden, dem beide Hände fehlen, wie
wir das einem solchen Soldaten ermöglicht haben.
Von grosser Bedeutung ist es, dass bewährte Normaltypen
 fabrikationsmässig hergestellt werden, weil. sich der
Preis dadurch ganz kolossal erniedrigt, die Herstellungszeit
verkürzt, die Reparaturen erleichtert und verbilligt werden.
Es besteht Aussicht, dass dies bezüglich der oben geschilderten
neven Modelle und ebenso eines einfachen Kunstbeines in
hächster Zeit möglich sein wird. Bricht dem Manne ein
Stück entzwei, so hat er nicht nötig, zur Reparatur nach der
Hauptstadt zu fahren, sondern er lässt sich einfach das betreffende
 Ersatzstück Nummer so und, so schicken und setzt es
selbst ein; denn die Konstruktion ist so durchgezeichnet, dass
dies von Jedermann leicht gemacht werden kann.
Exzellenz Exner in Wien ist der erste gewesen, der
schon zu Anfang des Krieges eine Versuchs- und Lehrwerkstätte
 eingerichtet hat, mit dem ausdrücklichen Zweck, normalisierte
 Typen zu finden, die in der Industrie hergestellt
werden können. Da wir heute in Deutschland und Oesterreich
 und wenn wir noch die Türkei dazurechnen tausende
und abertausende von Amputierten haben, die alle ein Kunstzlied
 gebrauchen, das häufig der Reparatur unterliegt und
nach geraumer Zeit durch ein neues ersetzt werden muss, so
kann man wohl davon sprechen, dass die Anfertigung der Prothesen
 heute eine Industrie geworden ist und den Rahmen der
handwerklichen Herstellung zweifellos bei weitem überschreitet.
 Angesichts der in viele Millionen gehenden Kosten
ist daher der Gedanke, Normaltypen fabrikationsmässig herzustellen,
 aufs freudigste zu begrüssen. Dadurch allein wird
überhaupt erst der Prothesenbau so verbilligt werden können,
dass wirklich jeder Verstümmelte in den Besitz einer für ihn
geeigneten guten Prothese gelangt, wie ja auch die weite Verbreitung
 des Automobils, des Fahrrades, der Glühlampen usw.
erst möglich wurde, als Normalgewinde und Normalersatzteile
 fabriziert wurden, die billig und überall zu erhalten
waren. Es muss dabei nur gefordert werden, dass der Fabrikant
 nicht durch einen zu grossen Gewinnaufschlag die Verbilligung
 hintertreibt und dass er dauernd in Fühlung mit
einem Facharzt arbeitet, der ihm die schon früher gemachten
Konstruktionen mitteilt (und es ist auch hier beinahe schon
alles dagewesen), der ihm Physiologie, Anatomie und die zu
fordernde Arbeitsleistung des Kunstgliedes klarmacht und der
ihn auf die Verschieblichkeit von Haut und Muskeln aufmerk-