übrigen aber wird es wohl kaum im Geschmacke deutscher
Soldaten liegen, dass sie sich von derselben Bezugsquelle, aus
welcher vielleicht die Granate stammt, mit der ihnen ihr Arm
abgeschossen wurde, nun den Ersatz für das verloren geyzangene
Glied beschaffen.
Es ist ein grober Fehler, jemand als einarmig zu bezeichnen,
dem nur ein verhältnismässig geringer Giliedabschnitt
fehlt. Jeder Fingerbreit ist daran wertvoll, und wer
vom Unterarm auch nur ein Fünftel besitzt, damit aber das
Ellbogengelenk hat, kann gar nicht in einem Atem mit demjenigen
genannt werden, dem der Arm ganz oder bis auf einen
kleinen Stummel fehlt. Unsere Soldaten haben dafür ein sehr
feines Gefühl, und es imponiert ihnen durchaus nicht, wenn
sie Bilder oder Filme sehen, bei denen ihnen unter der Bezeichnung
„einarmig‘“ Leute vorgeführt werden, denen weiter
nichts fehlt als eine Hand. Ist das Ellbogengelenk noch vorhanden,
so dient es zusammen mit dem kurzen Stummel als
Greiforgan. Ja selbst die einzelnen Hautfalten können ausgenutzt
werden, z. B. beim Klöppeln, um dort die Fäden
hineinzulegen. Dass auch beim Fehlen beider Hände die
Stümpfe allein für alle Verrichtungen ausreichen, zeigt der
oben erwähnte Lehrer. Jedenfalls kann gesagt werden, dass
das Vorhandensein eines Ellbogengelenkes und damit eines
kurzen Unterarmstumpfes den Verstümmelten im wesentlichen
unabhängig von jedem Kunstgliede macht.
Ganz anders nun gestaltet sich das Bild, wenn das Ellbogengelenk
nicht mehr vorhanden ist, d. h. wenn nur der
Oberarm oder gar lediglich ein Rest von ihm zur Verfügung
steht. Vielfach ist die Meinung verbreitet, dass es keinen Sinn
habe, für einen Oberarmstumpf noch ein Kunstglied anzuwenden,
weil ein solcher Mann ja doch nicht arbeiten könne.
Man macht den Leuten dann einen Ersatz, der lediglich den
Schönheitsfehler verdeckt, und behandelt ihn damit wie einen
Sxartikulierten.
Dieser Standpunkt erscheint mir unter allen Umständen
als vollständig falsch und als ein schweres Unrecht
an dem Verstümmelten. Niemand fällt es ein, einen Mann mit
einem Oberschenkelstumpf so zu behandeln, als wäre er in
der Hüfte exartikuliert, sondern bei der Anfertigung eines
Kunstbeines für einen solchen Oberschenkelamputierten
rechnet man sehr wohl mit den aktiven Kräften, über welche
der Oberschenkelstumpf noch verfügt, d. h. mit der Fähigkeit,
ihn zu beugen und zu strecken, zu abduzieren und zu adduzieren
und zu rotieren; denn alle die dafür in Betracht kommenden
Muskeln setzen ia ganz hoch oben an. Ganz ähnliche