Full text : Die Stellung des Arztes in der Kriegskrüppelfürsorge

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dem betreffenden Maße nutzbar gemacht hat, und
die den Begriff der Heilung soweit ausdehnt, daß
darin auch der äußerste nur denkbare Versuch,
die Erwerbsfähigkeit noch zu erhöhen, mit einbegriffen
 ist und die selbst die Ausbildung in den
genannten Erwerbsschulen für Kriegsbeschädigte
zur Heilung hinzurechnet.
Die schlimmste Gefahr, welche dem Verwundeten
 droht, ist jene Zeit, in welcher er den
Abschluß seines Invalidisierungsverfahrens abwartet
und zu diesem Zwecke wochen-, ja monatelang
in die Heimat beurlaubt wird. Dort umfängt ihn
dann die menschlich begreifliche und sehr ehrenwerte
 doch ganz falsche Liebe seiner Angehörigen,
die Verhätschelung seiner Mitbürger auf der Dorfgasse
 und in der Kneipe und schon nach kurzer
Zeit ist ihm die Heimat das Kapua geworden, in
dem alles verloren ging, was bisher an ihm gearbeitet
 wurde. Zwar kann er mit besonderer
Erlaubnis eine Arbeitsstelle, die ihm schon beschafft
 worden ist, antreten, aber noch besser ist
ein anderer Ausweg: Es ist nicht nötig, daß der
Mann für diese Zeit in die Heimat beurlaubt wird,
Die Arzte müssen dafür Sorge tragen, daß der
Mann direkt aus dem Lazarett in die Arbeitsstelle
kommt, nur dann wird es möglich sein, alle die
Werte zu erhalten, die in mühsamer Arbeit vorher
geschaffen sind. N
So bietet sich uns Ärzten eine ungeheuer große
und unbeschreiblich schöne Aufgabe und wenn
es uns auch nicht einfällt, die Rüstung unserer
sozialen Wehr in der Heimat mit den unerhörten
Taten unserer Truppen in der Front in Vergleich
zu ziehen, so ist sie doch immerhin bedeutungsvoll
genug, daß wir unseren Brüdern, wenn sie sieggekrönt
 heimkehren, offen ins Auge schauen und
sagen können: „Auch wir daheim gebliebenen
deutschen Ärzte haben unsere Schuldigkeit getan!“