(4
längst darüber hinaus sind und ungehemmt einer
neuen Zukunft entgegenstreben. Zu den Berufensten,
diese Aufklärungsarbeit und außerdem
werktätige Hilfe im weitesten Umfange zu leisten,
gehören die deutschen Arzte. Schon im Feldlazarett
muß der Arzt anfangen, den Verstümmelten
darauf hinzuweisen, daß das Vaterland bereit
steht, um ihm den Weg zur wirtschaftlichen
Selbständigkeit wieder zu eröffnen. In allen Lazaretten
muß der Arzt mit der wissenschaftlichen
eine soziale Visite verbinden. Welchem Regiment
der Mann angehört, ist verhältnismäßig gleichgültig,
viel wichtiger ist es, wenn der Arzt weiß,
daß der Mann Gärtner mit Frau und Kind in
Erfurt ist. Denn in manchen Fällen kann schon
von dem ersten Behandlungstage an auf das Ziel
hingearbeitet werden, daß der Mann wieder in
seinem alten Beruf tätig sein wird, denn danach
muß unter allen Umständen gestrebt werden.
Der Arzt ist auch der beste Berufsberater, weil
er den körperlichen Zustand genau kennt und
der Soldat sich ihm als seinem leiblichen Helfer
am ehesten auch in seiner seelischen Not aufschließt.
Die Berufsberatung aber soll nicht darin
bestehen, dem Manne zu einem anderen Beruf zu
raten, sondern seine Gedanken darauf zu richten,
daß er im gleichen oder schlimmstenfalis in einem
nahe verwandten Berufe wieder tätig sein muß,
weil er so alle Erfahrungen, Materialkenntnisse,
Absatzmöglichkeit u. dgl. m. verwerten kann.
Denn auch in dem Durcheinanderrütteln der Berufe
liegt eine nicht geringe gewerbliche Schädigung.
Unter „gleichem Berufe“ ist womöglich zu
verstehen auch die gleiche Arbeitsstelle. Es ist
aber nicht nötig, daß es genau dieselbe Tätigkeit
ist, sondern wenn z. B. ein Landbriefträger ein
Bein verloren hat, so kann er zwar nicht wieder
über Land laufen, aber er kann in demselben
Postamte, wo er alle Adressaten persönlich kennt,
als Postschaffner die Briefe abstempeln. Damit
ist eingeschlossen, daß jeder Verwundete wieder