Full text : Die Stellung des Arztes in der Kriegskrüppelfürsorge

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reisen, die ich machte, sozusagen einen Krüppelfürsorgekongreß
 in ambulando, wurde, nachdem
die Deutschen Krüppelheime ihre Betten für den
vorgedachten Zweck zur Verfügung gestellt hatten,
die Arbeit in allen Bundesstaaten aufgenommen,
die süddeutschen voran, und auf Tagungen der
einzelnen Staaten zuletzt von Preußen und abschließend
 des Reiches weiter ausgebaut, wobei
die in Betracht kommenden Hilfsquellen, d. h.
Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Arbeitsnachweis, Landesversicherungsanstalt,
 Kommunen, Rotes Kreuz
usw. in einmütigster Weise ihre bis zum äußersten
 gehende Bereitwilligkeit kundgaben und es
für ihre nationale Ehrenpflicht bezeichneten, bei
der großen vorliegenden Aufgabe mitzuwirken.
Die Schwierigkeit lag aber nicht an der Bereitwilligkeit
 der genannten Kreise, sondern hauptsächlich
 an der veralteten Anschauung, daß ein
Verwundeter allgemein ein Objekt des Mitleids,
und daß es eine Art von Gefühlsroheit sei, einen
solchen Menschen zur Arbeit anzuhalten, obwohl
doch natürlich das letztere nur um seiner selbst
willen gefordert wurde. Die von den vielen beteiligten
 Vereinen und Organisationen ausgehende
Aufklärung -— im Auftrage der deutschen Vereinigung
 für Krüppelfürsorge und der deutschen
orthopädischen Gesellschaft habe ich unter dem
Titel „Kriegskrüppelfürsorge“ ein reichillustriertes
„Aufklärungswerk zum Troste und zur Mahnung“
geschrieben — hat aber hier schon glücklicherweise
 eine grundsätzliche Wandlung der Anschauungen
 herbeigeführt, und das ist als ein
Segen von unermeßlicher Bedeutung zu betrachten,
 weil es sich hier um ganz riesenhafte
wirtschaftliche und ethische Werte handelt. Wenn
die vielen Zehntausende von Soldaten, die dauernd
und schwer im Gebrauche ihrer Glieder beeinträchtigt
 sind, nicht arbeiten, so würde die Allgemeinheit
 für ihren und ihrer Familie Unterhalt
aufzukommen haben, und es würde außerdem für
zahlreiche Erwerbszweige die ungeheure Masse