Full text : Die Stellung des Arztes in der Kriegskrüppelfürsorge

Eine schwere Gefahr bilden die Ankylosen der
Gelenke, die allein durch Monate lange Ruhigstellung
 erfolgen, ohne daß die Gelenke selbst
betroffen sind, und nachher große Schwierigkeiten
machen, wenn man sie beseitigen will. Hier
wirken vorbeugend die von Schede angegebenen
sehr einfachen und sehr zweckmäßigen Schienen,
die während des Wundverbandes gestatten, daß
die Gelenke abwechselnd in Streck- und Beugestellung
 gehalten und so vor der Ankylose bewahrt
 werden.
Im Jahre 1871 war der Fall mit der Wundheilung
 für den Arzt erledigt. Heute sind wir
glücklicherweise unendlich viel weiter darin, weil
wir noch sekundär eine große Masse von Maßnahmen,
 blutiger und unblutiger Art, zur Verfügung
 haben, um volle Heilung oder doch erhebliche
 Besserung zu erzielen. Ich erinnere
daran, daß es möglich ist, schiefgeheilte Knochenbrüche
 mit den verschiedensten Methoden wieder
gerade zu richten. Der Amerikaner Albee hat
hierfür ein vortreffliches Verfahren angegeben,
indem er mittels einer Kreissäge eine über die
Frakturstelle fortgehende Grube macht, von der
ein Drittel in dem einen, zwei Drittel in dem
anderen Fragment liegen und dann den aus dem
3.-Fragment gewonnenen Knochenspan über
die Bruchstelle hinweg in die Grube des anderen
Fragments herüberschiebt, so daß eine im Niveau
der Kortikalis liegende Art von Verbolzung stattfindet.

Die Kongresse der Chirurgen und Orthopäden
in den letzten Jahren haben sich viel mit der Mobilisation
 versteifter Gelenke befaßt. Auch diese
Methoden kommen für die vorliegende Aufgabe
zahlreich in Frage und haben darum besonders
gute Aussichten, weil wir ja an kräftigen Menschen
 operieren mit völlig gesunder Muskulatur.
Diese Gelenkmobilisation bezieht sich aber nicht
nur auf die großen Gelenke, wie Knie, Ellbogen
JsWw., sondern wird noch viel zahlreicher ange-