Full text : Die Fürsorge für unsere heimkehrenden Krieger, insbesondere die Kriegskrüppelfürsorge

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der Wille dazu vorhanden ist, ein Verstümmelter noch Verrichtungen
ausführen kann, die der Laie von vornherein für gänzlich ausgeschlossen
 halten muß. Das schlagendste Beispiel wird immer
Hoeftman’s Mann ohne Hände und Füße bleiben, der trotzdem
sich anziehen, essen, schreiben und sich selbsttätig fortbewegen kann
und Meister einer Drechslerlehranstalt ist. Jeder von uns hat ähnliche
 Beispiele aus eigenen Erfahrungen.
In den mir unterstellten Lazaretten benutze ich jeden ärztlichen
Rundgang durch die Abteilungen, um schon jetzt die Gedanken der
Verwundeten darauf zu lenken, daß sie in ihrem alten Berufe wieder
tätig sein werden und müssen. Ein Lehrer, dem der rechte Arm abzenommen
 werden mußte und der zuerst aufs tiefste niedergeschlagen
war, lernt jetzt mit der linken Hand schreiben und mit jedem Tag,
wo er Fortschritte sieht, wächst sein Glaube daran, daß er wieder
Lehrer sein kann. Einen Gärtner mit Abtragung des Unterschenkels
habe ich davon überzeugt, daß er wieder wird gärtnern können; einen
Landmann mit Verlust einer Hand, daß er wieder wird mähen und
harken können. Ein Maurer, dem der rechte Unterarm in der Mitte
abgenommen wurde, lernt allmählich auf mein Zureden begreifen,
daß es für ihn wohl möglich sein wird, trotz dieses Verlustes wieder
mauern zu können. Seine Befürchtung, er würde keine Arbeit finden,
habe ich ihm mit der feierlichen Versicherung genommen, daß es uns
gelingen wird, die deutsche Arbeitgeberschaft dazu zu bringen, auch
erwerbsbeschränkte Arbeiter wieder zu beschäftigen. Verschiedene
andere Arbeiter mit drohender Versteifung von Gelenken und Zerreißungen
 von Sehnen und Nerven habe ich ihrer Verzweillung über
die Zukunft ihrer Familie dadurch entrissen, daß ich ihnen Nachoperationen
 in Aussicht gestellt habe, und allen zusammen führe
ich die geheilten und in meinen Werkstätten beschäftigten Kinder
vor, um ihnen zu zeigen, was man alles durch methodisches Behandeln
arlernen und erreichen kann. Dann leuchten die Gesichter und die
niedergeschlagenen Menschen wachsen förmlich empor. Diese Belehrung
 muß möglichst frühzeitig einsetzen, ehe bei den Leuten der
Gedanke sich festgesetzt hat, daß sie Bettler seien und von Almosen
werden leben müssen.
Neben dem reinen Handarbeiter wird aber auch noch eine nicht
geringe Zahl von Verstümmelungen solche Krieger treffen, die ihr
Brot mit dem Kopfe verdienen; und diese werden manchmal ganz
besonders schwer durch die Erwerbsbeschränkung betroffen sein.
Hier aber wird es auch fast noch mehr als bei jenen möglich sein,