Meine geehrten Damen und Herren! Gleich nach Beginn des
Krieges, als sich die erste Überraschung und die erste Benommenheit
über das Unfaßliche gelegt hatten, konnte man einer eigenartigen
Hrscheinung begegnen. Wenn sich nämlich zwei erwachsene Männer
so zwischen 18 und 50 Jahren auf der Straße trafen, so setzten sie
sich nach den ersten Begrüßungsworten umständlich auseinander,
weshalb gerade sie nicht ins Feld gezogen wären, das heißt, jeder
entschuldigte sich sozusagen vor dem andern, daß er noch zu Hause
sei. Denn jeder von uns Daheimgebliebenen hatte den Drang nach
vorn, und ich kenne Männer, die den Schlaf verloren, Speise und
Trank verweigert haben und schwermütig geworden sind unter dem
Gedanken, daß sie nicht mit an der Front sein durften. Und wenn
der Verstand auch noch so sehr sagte: man muß zu Hause bleiben,
um das Geschäft, die Fabrik, das Bureau oder die Krankenanstalt
weiterzuführen, das Herz trieb nach vorn.
Aber als wir dann alle, sozusagen mit zusammengebissenen
Zähnen, darangingen, unser Tagewerk zu tun, da zeigte sich, daß
auch für die Daheimgebliebenen eine außerordentlich große, sehr
schwere und sehr wichtige Arbeit zu leisten war, und ich möchte
Sie heute durch eines dieser Gebiete führen, nämlich dasjenige
Arbeitsgebiet, welches die Krüppelfürsorge bedeutet.
Es war sofort klar, daß unter den Verwundeten, die bei dem
ungeheuren Kriege natürlich unausbleiblich sind, eine große Zahl
von Menschen sein mußten, die als Krüppel wieder nach Hause
kehren, und es war auch sehr bald klar, daß diese Zahlen riesig sein
würden. Ich glaube, daß man heute sagen kann: es gibt etwa 80000
Männer aus dem besten Alter, die in unserem Sinne verkrüppelt
sind, das heißt, die eine schwere Beschränkung ihrer Bewegungs-