Full text : Die ethische und wirtschaftliche Bedeutung der Kriegskrüppelfürsorge und ihre Organisation im Zusammenhang mit der gesamten Kriegshilfe

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erstaunlicherweise für weniger ehrenvoll als die „Verwundung vor
dem Feinde‘, obwohl ein Mann, der einen schweren Herzfehler oder
Gelenkrheumatismus oder einen bösen Nervenchok davonträgt, den
er nie wieder verliert, viel schlechter daran sein kann als jemand,
der einen Weichteilschuß hat,
Dann bleibt das ungeheure Heer der gesunden Arbeitslosen, die
aus dem Felde zurückkehren und ihre Arbeitsstätte besetzt finden,
weil die Industrie sich geändert hat, weil andere dort jetzt arbeiten,
and die große Zahl der Desorientierten in ihrem Berufe, die ich
vorher erwähnte. Wer soll für diese Fälle sorgen? Glücklicherweise
 gibt es Hilfe und ich habe alle Gruppen vorher bei Besprechung
der Aufklärung genannt. Aber keine dieser Gruppen kann alles
machen, auch nicht das Militär. Herr Dr. Laquer in Wiesbaden
hat vorgeschlagen, man solle doch als Mittelpunkt für diese Kriegsfürsorge
 eine Abteilung im Kriegsministerium in der Medizinalabteilung
 schaffen. Abgesehen davon, daß die Herren im Kriegsministerlum
 ja jetzt schon mit dem denkbar größten Eifer und Erfolg
 in ihren einzelnen Dezernaten arbeiten, hört, wenn schon nicht
das Interesse, so doch die Machtbefugnis des Militärs in dem Augenblick
 auf, wo der Soldat wieder zum Zivilisten wird, das heißt wo
demobilisiert wird oder wo sein Invalidisierungsverfahren abgeschlossen
 ist. Solange der Mann Soldat ist, ist es selbstverständlich,
daß die Militärverwaltung ganz allein über ihn zu bestimmen hat; hört
aber sein Militärverhältnis auf, so hat das Militär keine Macht mehr
über den Mann und kann ihn z. B. nicht dazu zwingen, sich einem
Heilverfahren zu unterwerfen, das geeignet wäre, seine Erwerbsfähigkeit
 zu steigern. Somit hat die Beteiligung und damit die
Möglichkeit einer allgemeinen Führung auch für die Militärverwaltung
ihre Grenzen. Und ebenso: geht es mit jeder anderen Gruppe (Versicherungsorgane,
 Rotes Kreuz, Arbeitsnachweis, Arbeitgeber und
nehmer, soziale Vereine, Ärzte, Armenpflege); jede dieser Gruppen
braucht immer wieder die andere, so z. B. brauchen sie alle das
Interesse der Arbeitgeber, der Arbeiter und des Arbeitsnachweises,
and doch ist keine in der Lage, die Führung für alle zu übernehmen,
sondern es muß, wenn sie alle zu einem lebendigen Organismus
zusammengefaßt werden sollen, ein anderer kommen, der das macht,
der sie leitet, der sie beaufsichtigt und die Gewähr dafür bietet, daß
jeder in sachlicher Arbeit an seinem Platze in seinem Sachverständnis
am wertvollsten und weitgehendsten ausgenutzt wird, und das ist
allein der Staat. Glauben Sie nicht, daß ich etwa nach dem alten