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zoll er behalten sein Leben lang. Damit ist die Rentenpsychose
beseitigt, und zugleich jede Möglichkeit, Unzufriedenheit bei sich
oder anderen zu erregen. Wenn da jemand kommt und sagt: „Ja,
das ist aber teurer, als wenn der Mann bloß seine Rente bekommt,
die man ihm nachher entziehen kann; dann müßte der Staat Ja
zroße Summen aufbringen,‘ so sage ich: „Es ist erstens ganz gleichgültig,
ob das teurer ist, und zweitens wird es gar nicht teurer sein.
Wenn der Mann alle Jahre nachuntersucht werden muß, so erfordert
das soviel Gutachten, soviel Bureauarbeit und Verwaltungsaufwand
und kostet so ungeheuer viel Geld, daß nach meiner Ansicht dieses
Verfahren sogar teurer ist als die dauernde Auszahlung des ein für
allemal festgesetzten Ehrensoldes, wie er auch nach dem letzten
Kriege bis 1906 gezahlt wurde.‘‘
Nun, meine verehrlichen Herrschaften,. was ich Ihnen bis hierher
vorgetragen habe, geht allein die Krüppelfürsorge an. Aber die
Krüppelfürsorge kann doch nur einen Bruchteil dessen erledigen,
was im allgemeinen auf Verwundete bezug hat. Ich muß sagen,
unsere Krüppelfürsorgeorganisation ist diejenige Sturmkolonne, die
man gegen die festesten Stellungen des Feindes, Voreingenommenheit
und Unwissenheit, ansetzen muß. Ist dieses Vorurteil erst einmal
bezüglich der wirklich schwer Verkrüppelten über den Haufen gerannt,
dann wird es nachher eine Kleinigkeit sein, für die Leichtverwundeten
den Arbeitgebern und Arbeitnehmern begreiflich zu machen, daß auch
diese wieder arbeitsfähig‘ sind. Weil außerdem die Krüppelfürsorge
ihre alte Erfahrung besitzt, weil sie die ganze Frage aufgerollt hat,
weil viele der von uns zuerst vorgeschlagenen Grundsätze (Arbeit
statt Wohltat — Unterbringung in der Heimat — keine Kasernierung,
sondern Zerstreuung unter das Volk — breiteste Aufklärung u. a. m.)
sofort allgemeine Billigung gefunden haben und alle andere Hilfsgebiete
gleichmäßig ebenso angehen, wird die Krüppelfürsorge immer
sine der wertvollsten Truppen in der allgemeinen „Fürsorge für die
heimkehrenden Krieger‘‘ bleiben; aber ihr eigentliches Arbeitsgebiet
macht nicht mehr als etwa 10%, aller Verwundeten aus. Da hört
ihre Tätigkeit auf. Mehr kann und will sie nicht leisten, weil
sie schon damit über alle Maßen angespannt ist. Aber wo bleiben
die noch fehlenden 90°%%,? Da‘ kommt zuerst die Gruppe der Leichtverwundeten;
deren muß sich doch auch jemand annehmen. Dann
kommen die „vor dem Feind Erkrankten‘ — ein Ausdruck, den
Professor Gutzmann in Zehlendorf geprägt hat und der überaus
glücklich ist. Diese „Erkrankung vor dem Feinde‘ gilt nämlich