Full text : Die ethische und wirtschaftliche Bedeutung der Kriegskrüppelfürsorge und ihre Organisation im Zusammenhang mit der gesamten Kriegshilfe

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felnden Soldaten in dem Lazarett irgendeinen meiner Krüppel aus
der Anstalt heranhole und ihn in der Arbeit vorführe. Dann sind
Aufklärungsmittel: Ausstellungen, wie eine solche jetzt hier in der
Gruppe ‚„Kriegskrüppelfürsorge‘* stattfindet, die ja auch herumwandern
 soll, und schließlich ist noch eine Aufklärungsschrift!
erschienen, die ich auf Grund der Bilder und Gegenstände, die in der
Gruppe „Kriegskrüppelfürsorge‘‘ hier vorhanden sind, im Auftrage
der Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge und der Deutschen
orthopädischen Gesellschaft bearbeitet habe. Sie erläutert in
Wort und 84 Abbildungen die Gedankenfolge dieses Vortrages
und ist dazu bestimmt, als ein „Wort zum Trost und zur Mahnung‘
 in die Hand der Verwundeten, Ärzte, Schwestern und aller
derer gelegt zu werden, die bei der Aufklärung mitzuhelfen berufen
 sind.
Ich darf noch einmal zusammenfassen: Der Sentimentale sagt:
„Wie ist es möglich, daß man die Gefühlsroheit besitzt, einem Menschen,
 der ein Glied verloren hat, der so furchtbare Schmerzen ausgehalten
 hat und der doch nun so unglücklich ist, zuzumuten, daß
er noch einmal arbeiten soll‘. Und der sozial gesunde Menschenverstand
 antwortet ihm: „Ganz allein um unserer Verkrüppelten
selber willen wollen wir, daß sie wieder arbeiten sollen. Nichts
Schlimmeı:es kann einem Verkrüppelten passieren, als wenn er in
eine Anstalt aufgenommen wird, sie mag einen so pompösen Namen
haben wie sie will, und dort bis an sein Lebensende nun durchgefüttert
wird, oder wenn man ihm ein noch so hohes Ruhegehalt zahlt. Die
gesetzlichen Renten soll er ja über seinen Verdienst hinaus selbstverständlich
 sowieso behalten. Er muß zurück in die Verhältnisse,
aus denen er stammt, und er muß wieder arbeiten. Das ist das einzige
Mittel, durch das er wieder ein glücklicher und zufriedener Mensch
werden kann.“
Dann darf ich noch eines hinzufügen: Die Laien stoßen sich
an dem Wort Krüppel. Wir Fachmänner haben uns seit Jahren
bemüht, einen Ersatz dafür zu finden. Es gibt keinen. Auf der
Sitzung in Heidelberg wurde vorgeschlagen, das Wort „Kriegsbeschädigte‘‘
 zu wählen. Das trifft nicht das, was wir meinen. Es
kann jemand ein Auge verloren oder einen Herzfehler erworben
haben, dann ist er auch beschädigt und doch nicht verkrüppelt. Das
Militär vermeidet den Ausdruck, indem es „verstümmelt‘‘ sagt und

+ Bei Leopold Voss, Leipzig und Hamburg 1915. 35 Pf,