Full text : Die ethische und wirtschaftliche Bedeutung der Kriegskrüppelfürsorge und ihre Organisation im Zusammenhang mit der gesamten Kriegshilfe

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gezwungen sein werden, Erwerbsschwache einzustellen, weil sie
eben vollständig Gesunde nicht bekommen.
Die dritte Gruppe, die über diese Sache aufgeklärt werden muß,
sind die Arbeitnehmer. Man kann sich nämlich vorstellen, daß die
Arbeiter an einzelnen Stellen sagen: „Dieser Mann hat sich für den
Staat krummschießen lassen, jetzt nimmt er einem Gesunden den
Arbeitsplatz weg; soll der Staat doch für ihn sorgen!“ Das ist
falsch: sozial, menschlich und kameradschaftlich. Trotzdem besteht
die Gefahr, und es ist notwendig, daß man die Arbeiter aufklärt,
und auch da darf ich mitteilen, daß verheißungsvolle Zusicherungen
gemacht worden sind.
Weiter müssen die Arbeitsnachweise aufgeklärt werden und ihrerseits
 aufklären, denn sie sind diejenigen, welche die Arbeit vermitteln.
Auch hier haben schon alle Arbeitsnachweise zugesichert, daß sie
mitarbeiten wollen. Es ist möglich, daß besondere Abteilungen für
Erwerbsschwache eingerichtet werden, die noch nicht bestehen, die
aber auch aus anderen Gründen wünschenswert sind und sich dann
vielleicht für den Frieden erhalten werden.
Ein großes Arbeitsgebiet stellen das Rote Kreuz dar und die
Vaterländischen Frauenvereine, die Ja in alle Lazarette hineinkommen
und in weitestem Maße Aufklärung bringen können, ferner die
Schwesternschaften aller Art, die Gemeinde- und die öffentliche
Armenpflege, die später auch mit den Angehörigen dieser Verkrüppelten
 sehr viel zu tun bekommen wird.
Professor Klumker- Frankfurt, einer der Führer auf diesem
Gebiete, hat mir da in einer persönlichen Rücksprache einmal gesagt:
 „Eines der größten Probleme, das unserer wartet, ist der Berufswechsel.
 Viele Leute kommen aus ihrem alten Kreise heraus
und finden sich in ihren Beruf nicht wieder hinein, namentlich die
Kriegsfreiwilligen.‘‘ Privatdozent v. Beckerath- Freiburg hat darauf
hingewiesen, daß manch ein gelernter Arbeiter zum ungelernten
herabsinken wird. Es ist bekannt, daß nach dem Kriege 1870/71
außerordentlich viele Studierende der Medizin, die als Kriegsfreiwillige
 den Feldzug mitgemacht hatten, sich nicht wieder in die
Medizin hineinfanden, weil sie ihnen noch nicht in Fleisch und Blut
übergegangen war. Die jungen Leute waren in einer ganz anderen
Welt gewesen, waren ganz andere Menschen geworden und gerieten
 durch Zufall und Pech in einen Beruf hinein, der sie
nachher nicht befriedigte. Viele sind Kaufleute geworden, andere
Journalisten.