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menschliche Angelegenheit, und vor diesem furchtbaren Schicksal
müssen wir unsere Verwundeten bewahren, es koste, was es wolle.
Stellen Sie sich vor, was es bedeutet, wenn Hunderttausende mit
solehen Gedanken, an Gott und aller Welt verzweifelnd, dem elendesten
Schicksal anheimfallen, und mit ihnen ihre Angehörigen.
Die Einwirkung auf den Verwundeten kann am besten in der
Weise geschehen, daß sich der Arzt seiner annimmt. Der ist in
diesem Falle der allerbeste Berater. Derjenige, der dem Verwundeten
den Leib heilt, ist auch bald der Vertraute seiner Seele, und er
schließt sie ihm auf. Und nun muß man langsam anfangen und muß
die Leute fragen: Was sind Sie? Es darf einen nicht so sehr interessieren,
ob der Mann irgendeinem berühmten Regiment angehört
— darüber kann man ja außerdem sprechen —, sondern viel wichtiger
ist, daß der Mann ein Fabrikschuster aus Erfurt ist, der eine
Frau und sechs Kinder hat, und sowie er merkt, daß den Arzt das
näher angeht, dann fängt er an, aufzuwachen. Nun sagt man ihm:
„Was sind Sie?‘ — „Fabrikschuster.‘ — „Sie haben ein Bein verloren.
Nun, Sie werden wieder schustern können.‘ Dann lacht
er, weil nach seiner und der laienhaften Vorstellung ein Mensch,
der ein Bein oder überhaupt irgendein Glied verloren hat, für ewige
Zeiten arbeitsunfähig ist. Wenn man ihm das nun klar macht und
auseinandersetzt, daß es Blöcke gibt, an die man die Stiefel anschnallen
kann, dann ist seine zweite Antwort: „Ich finde doch
keine Arbeit.‘ Dann sagt man ihm: „Lieber Freund, dafür lassen
Sie uns sorgen, wir werden Ihnen Arbeit verschaffen.‘ Dann geht
ihm allmählich auf, worum es sich handelt. Wenn man diese
„soziale Visite‘ täglich macht und beim Verbinden, wo man
ja überreichlich Zeit hat — es dauert oft eine halbe Stunde — mit
den Leuten plaudert, dann findet man ihr Herz, und eines Tages
sieht man, wie ihre Augen leuchten, wie sie neu aufleben und wie
sie zu der Erkenntnis kommen: es ist nicht nötig, daß ich ein wertloser
Krüppel mein Leben lang bleibe; ich darf wieder arbeiten,
ich darf wieder derselbe Kerl sein, der ich vorher war.
Stellen Sie sich diesen enormen ethischen Gewinn für unser
Volk vor. Er ist gar nicht in Worten und in Werten auszudrücken.
Deshalb müssen wir alles aufbieten, daß wir das durchsetzen, und
daß die Ärzte dieser ihrer sozialen und amtlichen Pflicht in weitestem
Umfange nachkommen. _
Dafür kann in erster Reihe die Militärverwaltung sorgen, indem
sie ihnen einfach den Auftrag gibt — ein einfaches und gutes Mittel,