gelenks steht, so kann nachher der Knochenbruch ausgezeichnet
geheilt sein, aber der Mann kann den Arm doch nicht benutzen, weil
sämtliche Gelenke unbeweglich geworden sind.
Soviel von der Vorbeugung. Man kann heute aber auch nach
Abschluß der Wundheilung eine große Zahl von Operationen machen,
welche noch eine wesentliche Besserung, um nicht zu sagen‘ Heilung
hervorrufen, was früher absolut undenkbar war. Also zum Beispiel
kann man jemandem, der an einer ganzen Körperhälfte gelähmt
wurde, weil er einen Gehirnschuß bekommen hat, noch nachträglich
das Geschoß aus dem Gehirn entfernen oder den Kiterherd
entleeren; dann sieht man zur größten Freude und Überraschung,
wie die gelähmte Körperhälfte wieder anfängt, sich zu bewegen.
Man kann einen durch Knochenbruch durchschnittenen oder einen
jurchschossenen Nerven zusammennähen oder ein Stück dazwischensetzen,
dann setzt die Leitung wieder ein. Man kann zerschossene
Sehnen ersetzen durch Sehnen aus demselben Körper, durch Seidensehnen,
durch Sehnenverpflanzung. Man kann knöchern versteifte
Gelenke wieder beweglich machen, indem man sie aufschneidet und
3inen Weichteillappen dazwischen legt. Man kann Knochenbrüche,
Jie schlecht geheilt sind — das ist in vielen Fällen nicht zu vermeiden
— wieder durch eine ganz einfache Operation gerade richten, oder
wenn eine Beweglichkeit an falscher Stelle, zum Beispiel in der Mitte
des Oberschenkels eingetreten ist, kann man durch eine Knochenoperation
die vollständige Verwachsung wieder herbeiführen. Für
alles dieses und ebenso für das Folgende finden Sie typische Beispiele
in der Ausstellung, Gruppe „Kriegskrüppelfürsorge“‘.
Und nun die unblutige Orthopädie. Da hat uns seit dem letzten
Kriege der Schwede Zander die Medikomechanik geschenkt, eine
ler wunderbarsten Erfindungen, die gerade in diesem Kriege die
ausgiebigste Verwendung im ganzen deutschen Vaterlande findet,
Wir haben unsere Massage verbessert, wir wissen heute die elektrischen
Ströme ganz anders anzuwenden, wir haben die Heißluft kennen
zelernt, die Diathermie, und wir haben vor allen Dingen — und zwar
ist das durch die Mitarbeit und Führung der Ärzte geschehen — in
wunderbarer Weise orthopädische Apparate und künstliche Glieder
anwenden gelernt. Das merkwürdigste Beispiel bietet ja immer jener
Hoeftmansche Mann, den Sie auch in der Ausstellung in Wachs
abgebildet sehen, ein Mann ohne Hände und Füße, der trotzdem sich
anziehen, sich reinigen kann und der arbeitet, und zwar als Drechslermeister
in Königsberg tätig ist, wo er sein Brot verdient wie jeder