Full text : Der praktische Wert der Krüppelzählkarten

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wie Schwer es hält, den Reichstag dazu zu bringen, daß er solche
Zählung auch nur mit einer Frage neu belastet. Aber selbst gesetzt
den Fall, das gelänge, so würde höchstens die Frage zugelassen:
„Besteht ein Krüppelgebrechen?“ Der Zähler, meist ein Laie, würde
ohne eine längere Krläuterung ganz wahllos verfahren, aber selbst
wenn auch diese — was als ganz ausgeschlossen gelten darf — zugelassen
 würde, so käme es im günstigsten Falle zu einer Adressenzählung.
 Ehe die Adressen ausgezogen wären, könnten Monäte, ja
wahrscheinlich mehr als ein Jahr vergehen. Dann müßten die als
Krüppel Bezeichneten durch bekannte Ärzte an der Hand eines be:
sonderen Fragebogens nachuntersucht werden, wobei ein großer Teil
an sich wegen Verzug, Tod oder aus anderen Ursachen unerledigt
bliebe. Die Einsammlung der besonderen Fragebogen und ihre Bearbeitung
 würde einschließlich der ersten Versendung und Ausfüllung
soviel Kosten und Zeitverlust erfordern, daß mit Sicherheit gesagt
werden kann: diese Art der Zählung würde zehnmal teurer und
nicht um einen Deut zuverlässiger sein als die eben geleistete private.
Nein, wenn überhaupt einmal darauf zu rechnen ist, eine
Statistik fertig zu stellen, die tatsächlich alle Krüppel zählt, auch
die diesmal gänzlich ausgefallenen der wohlhabenden Klassen, so
kann das nur geschehen, wenn durch unausgesetzte Aufklärungsarbeit
 in der Öffentlichkeit, durch Unterricht der Medizinstudierenden
in der Orthopädie als Prüfungsfach, durch Erziehung der jungen
Lehrer zum Verständnis der Krüppelfrage ganz allgemein das
Publikum in des Wortes vollster Bedeutung begreifen gelernt hat,
was ein Krüppel ist und was aus ihm durch verständnisvoller Behandlung
 gemacht werden kann. Dazu hilft uns die Verbreitung
der einheitlichen Begriffsbestimmung und die eindringliche Ausnutzung
der augenblicklichen für die Krüppelfürsorge so bedeutungsvollen
und glücklichen Sachlage.
Zweck dieser Zeilen ist es, die Augen aller Krüppelfreunde
dafür zu schärfen, daß der günstige Augenblick nahe und nur zu
{assen ist, wenn man ihn rechtzeitig bei der Stirnlocke packt.
[ch kann aber nicht schließen, ohne noch eine herzliche Bitte
auszusprechen, nämlich die, daß [die Freunde der Krüppelfürsorge
in allen Gauen unserer Heimat und des Auslandes mich fortlaufend
mit Nachrichten über die Entwickelung der Dinge versorgen, damit ich
zie in dieser Zeitschrift mitteilen kann. Wenn auch von einzelnen Persönlichkeiten,
 in erster Reihe Geistlichen, Hervorragendes in der
Krüppelfürsorge schon geleistet ist, so bleibt doch mehr noch zu