Full text : Der praktische Wert der Krüppelzählkarten

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Kranker, bei welchem die Wechselwirkung zwischen dem Grad
seines Gebrechens (einschließlich sonstiger Krankheiten und Fehler)
und der Lebenshaltung seiner Umgebung eine so ungünstige ist,
laß die ihm verbliebenen geistigen und körperlichen Kräfte zur
höchstmöglichen wirtschaftlichen Selbständigkeit nur in einer Anstalt
 entwickelt werden können, welche über die eigens für diesen
Zweck notwendige Vielheit ärztlicher und pädagogischer Einwirkungen
 gleichzeitig verfügt.“
Damit ist zugleich ein Krüppelheim definiert, welches
lie Vereinigung einer orthopädischen Klinik, einer Volksschule
 und einer Handwerkslehre darstellt, wobei alle drei Teile
gleichzeitig neben- und ineinander arbeiten.
Diese Definition ist vom Kongreß der Deutschen Gesellschaft
für orthopädische Chirurgie in diesem Jahre angenommen worden.
Sie gewährleistet die Ausmerzung aller der Fälle, für welche zu
sorgen die Armenpflege kein Interesse oder Pflicht hat. Sie beschränkt
 die Krüppelfürsorge auf das geringste notwendige Maß,
verringert dadurch die Kosten und ermöglicht so ihre Entwickelung
überhaupt. Sie würde, wenn sie allgemein angenommen werden
würde, auch eine Einheitlichkeit in der Krüppelfürsorge
hervorrufen, was bei dem häufigen Wohnungswechsel, namentlich
der armen Bevölkerung, sowie für etwaige gesetzgeberische und
Verwaltungsmaßnahmen von wesentlicher Bedeutung wäre.
Die Abkürzungen haben folgenden Sinn:
N = nichtheimbedürftig
No = nichtheimbedürftig, orthopädisch krank;
NE = nichtheimbedürftig, einer Behandlung nicht zugänglich,
aber krüppelhaft;
A = heimbedürftig
Ht = heimbedürftig und (therapie-) behandlungsbedürftig;
Ag = heimbedürftig, der Behandlung nicht zugänglich, der
gewerblichen Erziehung bedürftig;
Hu = heimbedürftig, unheilbar, dauernder Wartung und Pflege
bedürftig.
Die Bearbeitung der gesamten deutschen Statistik
mit den Tabellen aller Bundesstaaten (Regierungsbezirke, Kreishauptmannschaften
 usw.) erscheint im Herbst d. J. bei Leopold
Voss, Hamburg.
Berlin S. 59, Am Urban 10/11, im Juni 1908.
Berlin-Brandenburgische Krüppel-Heil- und Erziehungsanstalt.