Full text : Die Beteiligung des Staates an der Krüppelfürsorge

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Ich selbst habe mich auch schon wiederholt darüber verbreitet,
zum erstenmal in der Bearbeitung der Statistik, zum letztenmal
in dem Entwurf der Eingabe des ‘preußischen Landesverbandes
an den preußischen Herrn Minister,
Wenn die Kongreßleitung heute wiederum das Thema auf die
Tagesordnung gesetzt und ihm sogar den ersten Platz zugewiesen
hat, so liegt das daran, daß inzwischen die meisten deutschen Bundesstaaten
 aus den bis dahin rein akademischen Erörterungen herausgetreten
 sind und sich praktisch, und zwar in den verschiedenartigsten
 Formen, aber überall mit dem denkbar besten Erfolge in der
Krüppelfürsorge betätigt haben.
Es ist also eine neue Plattform für eine erneute Besprechung
geschaffen worden.
An die Spitze dieser Erörterungen ist die Frage zu stellen:
Ist eine Verstaatlichung der Krüppelfürsorge wünschenswert
oder besser nur eine Beteiligung des Staates?
Die vollständige Fiskalisierung wie etwa die der Eisenbahnen
wird wohl von niemandem gewünscht werden. Ja, selbst in einem
milderen Sinne würde sie wohl nur in solchen Bundesstaaten in Frage
kommen können, die ihren Bezirk leicht übersehen können, eine
ganz homogene Bevölkerung haben und überhaupt nur mit einer oder
wenigen Anstalten rechnen. Diese Frage zu erörtern, hat auch im
ganzen so gut wie gar keine praktische Bedeutung, denn die damit
verbundenen Kosten würden so ungeheure sein, daß sich in keinem
Parlament eines größeren Bundesstaates eine Mehrheit dafür fände,
ganz abgesehen von mancher anderen Erwägung, z.B. der, daß
dann jeder unverschuldet Hilfslose, Elende Anspruch auf staatliche
 Hilfe erheben könnte.
Es ist aber auch gar nicht wünschenswert, daß der Staat allein
oder auch nur überwiegend die Krüppelfürsorge in die Hand nimmt.
Da sich in dem Begriff „Krüppel‘“ ärztliche mit pädagogischen,
religiösen, sozialen Fragen in stets wechselnden Graden so mischen,
das jeder neue Fall ein neues Problem darstellt, so würde der notwendigerweise
 mit dem Staatsbetriebe verbundene bureaukratische
Schematismus — was natürlich kein Tadel sein soll — das Beste in
der Krüppelfürsorge vereiteln, nämlich die jetzt vorhandene Möglichkeit,
 jedem Fall nach der Besonderheit seiner inneren Struktur
gerecht zu werden. Dazu käme, daß damit die organische und
geschichtliche Entwicklung unnötig unterbrochen und die weitere
Verwendung der ungeheuren ethischen Werte in Frage gestellt würde,