Professor Dr. Biesalski-Berlin:
Die Beteiligung des Staates an der Krüpnelfürsorge,
Eure Königlichen Hoheiten! Hochansehnliche Versammlung!
Nach dem, was wir soeben aus dem Munde der Vertreter der Gemeinde
und der Staatsregierungen gehört haben, kann ich meinen
Vortrag über die Beteiligung des Staates an der Krüppelfürsorge
eigentlich mit dem besten Gewissen und in der sicheren Hoffnung
beginnen, daß uns das, was wir erbitten, wohl auch gewährt werden
wird.
Je stärker der Zug in unserer Zeit ist und immer mehr wächst,
die Not des Einzelnen der Allgemeinheit zu Last zu legen, desto
häufiger tritt auch die Frage auf: In welcher Weise soll denn nun der
Staat an der Krüppelfürsorge beteiligt werden? Hierüber ist ja in
den Kreisen der Krüppelfreunde schon viel verhandelt worden,
zum erstenmal im Jahre 1901 auf der I. Konferenz der deutschen
Krüppelanstalten, dann auch auf der III. und IV. von Ulbrich,
Rosenfeld, Jonas, Hansen. Herr Geheimrat Dietrich hat
darüber in der Zeitschrift geschrieben, und auf unserm I. Kongreß
hat Herr Landesrat Vieregge und Herr Stadtrat Münsterberg
darüber gesprochen und eine lebhafte Diskussion angeregt.