Zur Organisation der Krüppelfürsorge.
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nach der Empfindung unseres sozialen Zeitalters nicht Mitleid zu verlangen
berechtigt ist, sondern Abhilfe, so auch der Krüppel. Das Wohltun
muß außerhalb der Anstalt denen zur Last gelegt werden, in deren
Interesse das Haus arbeitet. Wir haben daher versucht, bei den ın
Frage kommenden Behörden und Kommunalverwaltungen darauf hinzuwirken,
daß uns ein angemessener Preis bezahlt wurde und zwar
der für die Krankenanstalten ın Berlin maßgebende. Wir können nur
mit Dank feststellen, daß unsere Bitte auf das größte Verständnis und
die weitestgehende Bereitwilligkeit gestoßen ist. Damit war uns von
Anfang an der Alp der ewigen Geldnot genommen, und wir konnten
als Gegenleistung unsere Anstalt von vornherein in einer Weise ausbauen,
wie sie die modernen Forderungen der Medizin und der Pädagogik
verlangen.
Es gibt noch einen anderen Weg, um eine solche Anstalt auf eine
sichere Basis zu stellen; sie ist soeben in Düsseldorf verwirklicht worden.
Dort hat sich ein Verein zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit
gebildet unter dem Vorsitz von Prof. Schloßmann. Es ist der
Bau eines Heims in Aussicht genommen worden, an dem nichts gespart
werden wird, und die jährlichen Kosten für die Unterhaltung und den
Betrieb dieses Hauses übernehmen die Gemeinden des Regierungsbezirks
Düsseldorf nach ihrem Einkommensteuersoll. Das wäre eine
Art von Gesellschaft mit beschränkter Haftung. An anderen Orten
werden größere Vereine oder schon bestehende Institute, an welche
sich die jungen Anstalten anlehnen, ähnliches leisten können, oder die
Kreise oder großen Gemeinden einer Provinz verpflichten sich zu
laufenden namhaften Beiträgen oder der Stiftung von Freibetten, über
welche sie verfügen können. Die Hauptsache aber wird immer bleiben,
daß ein angemessener Tagespreis gezahlt wird, und dazu werden die
Behörden sich immer mehr verstehen, je mehr ihnen klar wird, welch
eine Last für die Zukunft sie sich abwälzen, wenn sie für die Gegenwart
ein kleines Kapital hineinstecken. Diese Anschauungen immer mehr
populär zu machen, ist nicht nur die Sorge großer Konferenzen und
selbst nicht der Verhandlungen in den Parlamenten der Bundesstaaten,
wie sie zu erwarten stehen, sondern jeder, der die Führung der Krüppelfürsorge
übernimmt, sollte in seiner Landschaft mit den Mitteln, welche
ihm als die zweckmäßigsten erscheinen, Aufklärungsarbeit leisten. Die
Krüppelfürsorge ist so kompliziert, daß in ihr nur Kräfte zu verwenden
sind, welche vielerlei und jedes davon gut zu leisten vermögen. Dafür
müssen sie natürlich anständig bezahlt werden, notabene einschließ-3