Full text : Zur Organisation der Krüppelfürsorge

116 Biesalski,. Zur Organisation der Krüppelfürsorge.

zelne der Kinder könnten dann nötigenfalls den ganzen Tag dort bleiben,
eventuell mitverpflegt werden, unter allen Umständen die Einrichtungen
für körperliche Uebungen mitbenutzen, der Aufsicht des Arztes dauernd
unterstehen und brauchen doch nicht im Heim zu schlafen.
Zu den Zukunftsaufgaben eines Berliner Krüppelheims gehört
ferner unzweifelhaft die Errichtung einer Fortbildungsschule für
Krüppelhafte, Es ist selbstverständlich, daß diese jeden Besuches
ermangeln würde, wenn sie auf dem Lande läge.
4, Die letzte Krüppelkonferenz hat sich dafür ausgesprochen, daß
die neu zu errichtenden Heime nicht mehr auf dem Lande erbaut,
sondern möglichst in die Großstadt oder ihre unmittelbare Nähe verlegt
 werden sollten, weil es auf diese Weise viel leichter und billiger
möglich ist, geeignete Aerzte und Unterrichtskräfte zu finden, z. B.
für besonders begabte Zöglinge im Malen, in der Musik u. dgl.
5. Die Großstadt verlangt es noch mehr, als die Provinz, daß den
entlassenen Pfleglingen auch weiter Rat und Beihilfe geboten wird,
z. B. durch Beschaffung von Arbeitsgelegenheit, durch Vermittlung
des Verkaufs ihrer Heimarbeit, durch Versorgung in Krankheit und
Not. Auch dies ist leichter und billiger von einer zentralen Lage aus
zu bewerkstelligen.
Manches ist in dem vorstehenden noch Zukunftsmusik; trotzdem
habe ich mich entschlossen, es schon jetzt der Kritik zu unterbreiten,
weil mir bekannt ist, daß vielerorten der Bau von Krüppelheilanstalten
im Werk oder doch geplant ist — z. Z. 14 in Deutschland — und ich
annehme, daß es für manchen interessant genug ist, zu hören, wie es
ein anderer gemacht, sei es auch nur, um jenen zu veranlassen, seine
Sache umgekehrt anzufangen. Zudem meine ich, daß Kritik und
Aussprache nur von Nutzen sind, wenn sie vor Beginn oder doch im
Anfang eines Werkes stattfinden.
Zum Schlusse möge mir die Bitte gestattet sein, mich von allem.
was auf Krüppelfürsorge Bezug hat und im Vaterlande vor sich geht.
freundlichst zu unterrichten; ich bin für jede noch so kleine Mitteilung
von vornherein aufrichtig dankbar, zumal ich in der neugegründeten
„Zeitschrift für Krüppelfürsorge“ bemüht sein werde, alle auf diesem
Felde Arbeitenden zu sammeln.