Full text : Zur Organisation der Krüppelfürsorge

114

Biesalski.

habender Familien zu pflegen, zu erziehen und bis zu einem gewissen
Grade zu unterrichten. Außerdem aber sind wir überzeugt, daß viele
von ihnen, und wie wir hoffen, die Besten, dauernd bei uns bleiben
werden.
Es ist unser Bestreben gewesen, niemand in die Arbeit des Hauses
hineinzulassen, der nicht der Schwesternschaft angehört, denn gerade
die Erziehung wird bei diesen Kindern die besten Resultate haben,
wenn die Lehrerin die Kinder nicht nur in der Schule sieht, sondern
sie auch in ihren Freistunden und im Krankenbette beobachtet und
über die Art und den Grad des Gebrechens aus eigener Anschauung
und Erfahrung gründlich unterrichtet ist. Außerdem erleichtert eine
solche Einheitlichkeit die Disziplin und Kontrolle und erhöht dadurch
die Leistungsfähigkeit der Anstalt. Diesen Grundsatz wollen wir so
weit treiben, daß wir auch für den noch einzurichtenden Handwerksunterricht,
 soweit es irgend möglich ist, Schwestern nehmen, denn es
ist nicht einzusehen, weshalb nicht eine Schwester 14—17jährigen
Knaben, und selbstverständlich Mädchen, gerade so gut Buchbinden,
Kartonagearbeiten, Korbflechten, Bürstenbinden (hierfür wird zur
Zeit eine Schwester ausgebildet), ja selbst gröbere Handwerke beibringen
 kann, wie ein Mann. Gesetzliche Vorschriften darüber bestehen
 nicht. Irgendwelche Insubordinationen sind nach den Erfolgen.
welche man in der Gewerbeinspektion gemacht hat, nicht zu befürchten,
und die Schwester hätte auch hier wieder den Vorteil, daß sie dauernd
und mitten im Hause stehend eine genaue Kenntnis von der Art und den
Leiden ihrer Zöglinge hat, zumal wenn sie als jüngere Kranke schon
einmal durch ihre Hände gegangen sind.
Wir wollen jedenfalls diesen Grundsatz bis auf weiteres festhalten,
daß wir für alle einzelnen Zweige sozusagen Spezialistinnen anstellen
oder ausbilden. Ein weiterer Vorzug ist dann der, daß wir so ohne
Schwierigkeit jederzeit im Beurlaubungs- oder Krankheitsfalle Kräfte
für die Vertretung zur Verfügung haben.
Das Personal für die grobe Arbeit besteht aus einem Hausburschen,
einem Waschmädchen und aus jungen Mädchen von 14—17 Jahren,
zum Teil mit leichten Verkrüppelungen, welche, ähnlich dem Gang der
Lernschwestern, im Laufe eines Jahres durch alle Zweige unseres Betriebes
 gehen und so zu Hausmädchen herangebildet werden, die zwei
Dinge gelernt haben, welche den heutigen Dienstboten häufig fehlen.
nämlich „arbeiten und gehorchen“.
Aus all diesen organisatorischen Grundsätzen geht hervor, daß