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Biesalski.
gibt. Von einer Gleichstellung beider oder einem kollegialen Direktoriat
von Arzt und Pädagogen oder Geistlichen und Wirtschaftstechniker
halte ich nichts, weil ich glaube, daß auch in Kollegien stets immer nur
einer regiert, weil er die überragende Persönlichkeit ist. Es genügt.
wenn, wie wir uns das denken, Arzt und Pädagoge nebeneinander
wirken und sich gegenseitig in die Hände arbeiten, wobei natürlich um
Kleinigkeiten nicht gehadert werden darf. Kommt es zu einer grundsätzlichen
Meinungsverschiedenheit, welche im Interesse des Hauses
in irgend einer Weise entschieden werden muß, so soll nach unserer
Auffassung diese Entscheidung beim Arzt liegen, weil der Krüppel
eben ein Kranker ist, auch wenn sein Gebrechen geheilt ist; darum die
Unterordnung des Pädagogen unter den ärztlichen Leiter für alle Fälle.
Zur Krüppelfürsorge gehört unter allen Umständen die Prophylaxe
des Krüppeltums. Diese kann am zweckmäßigsten in einem
Ambulatorium betrieben werden, denn es ist natürlich, nach jeder
Richtung hin einfacher und billiger, einen Klumpfuß im 1. Lebensjahre
zu redressieren, als im 8. oder 14., und eine Skoliose zu behandeln,
wenn sie der Schularzt bei der Einschulung entdeckt hat, als wenn sie
erst hochgradige Formen angenommen hat. Je mehr die Orthopäden
es sich angelegen sein lassen, die Wichtigkeit der Prophylaxe des
Krüppeltums zu betonen und Aerzten und Eltern einzuschärfen, in
umso größerem Maße wird das ungeheure orthopädische Material,
welches in der Schule steckt, der Behandlung zugänglich gemacht
werden können.
Ich benutze diese Gelegenheit, um kurz auf das Thema Schulskoliose
einzugehen. Es ist aufs freudigste zu begrüßen, daß die Behandlung
dieses wichtigen Themas endlich aus den Zeitschriften für
Schulgesundheitspflege in die orthopädischen Fachblätter übergegangen
ist. Kürzlich hat Blencke darüber ein beachtenswertes wissenschaftliches
Referat erstattet und mich dabei zu denjenigen geworfen,
welche nicht dafür sind, daß die Schulskoliose von ärztlich ausgebildetem
Hilfspersonal behandelt werden soll. Ich befinde mich da nun zwar
in guter Gesellschaft, möchte aber doch, um Mißverständnissen vorzubeugen,
erklären, daß mein Vorschlag, den ich seinerzeit in der Zeitschrift
für Schulgesundheitspflege veröffentlicht habe, nicht besagt,
daß ich diese Art der Skoliosenbehandlung ganz allgemein wünsche.
sondern nur, daß ich sie für die einzige zur Zeit in Berlin mögliche hielt,
wenn man nicht überhaupt darauf verzichten wollte, das ungeheure
Material an Schulskoliosen zu behandeln.