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Erstens sie trug mit einem Schlage die Kenntnis von dem
schreienden Mißverhältnis zwischen Krüppelnot. und Krüppelhilfe
in alle Amtsstuben und in die Laienkreise. Dank der sozialen
Stimmung im ganzen Volke lag die Krüppelfürsorge sozusagen in
der Luft, es bedurfte nur der zahlenmäßigen Unterlage und des
großen allgemeinen Anstoßes.
Zweitens sie hat uns die Orthopäden gewonnen, die mit
feurigem Eifer sich an ihre Aufgabe machten und nichts Schlechtes
geleistet haben. Die Krüppelheilkunst wurde ein mächtiger Faktor
in der Krüppelfürsorge.
Drittens sie hat uns eine einheitliche Begriffsbestimmung
gebracht, die von allen Bundesstaaten und vom Kongreß der Deutschen
Gesellschaft für orthopädische Chirurgie angenommen ist. Das ist
keine unwichtige Angelegenheit. Auf ihr beruht die Vereinheitlichung
der Krüppelfürsorge in ihrem innersten sozialen Kern, unbeschadet
der äußeren Form, in der sie getrieben wird, sie bedingt
einheitliche Verordnungen in den verschiedenen Bezirken und Bundesstaaten,
sie ermöglicht den geistigen Verkehr und Austausch der
Krüppel unter den verschiedenen Anstalten, ohne daß immer
wieder neue Schwierigkeiten entstehen.
Viertens hat die Statistik die wichtige Trennung der Krüppel
in Heimbedürftige und Nichtheimbedürftige gebracht und
damit wohl den Hauptanstoß zum Ausbau der beiden Fürsorgeformen
gegeben. Mit Hilfe der Definition ist die Grenze für jeden
einzelnen Fall praktisch zu ziehen. |
Alle diese geistigen Erfolge der Statistik, von anderen abgesehen,
kommen auf das Kredit des letzten Jahrzehnts. ;
Aber es ist aus der Statistik mittelbar noch eins erwachsen,
dessen wir uns freuen dürfen. Nachdem bereits 1900 die geistlichen
Heime sich in der Konferenz der deutschen Krüppelanstalten
vereinigt hatten, machte sich, als die Bewegung gewaltig anschwoll,
das Bedürfnis nach einem Mittelpunkt geltend, in dem allen Heime,
gleichgültig welchen Charakters, die Möglichkeit des Zusammenschlusses
geboten wurde. Das geschah durch Gründung der
Deutschen Vereinigung für Krüppelfürsorge, auf deren Einladung
wir heut hier tagen. .
Sie hat heute 305 Mitglieder, darunter fast die Hälfte Behörden
und Vereine, sie hat im letzten Jahre nahezu 10000 Mark ausgegeben
and hat fast ebenso viele Schulden, — was ich als ein besonderes
Zeichen ihrer jugendlichen Frische und des Vertrauens ansehe, das