134 —
Polikliniken Hilfe und Rat. So kann man, wenn man wiederum
auf die Tabelle der Reichsstatistik blickt, sagen, daß im.Jahre 1902
von den etwa 40000 nicht heimbedürftigen Krüppeln so gut wie
nichts ambulant versorgt wurde — denn die künstlichen Glieder
gingen wohl meist an Erwachsene — und .daß andererseits heute
von den etwa 50000 nichtheimbedürftigen Krüppelkindern
wohl schon der dritte Teil ambulant bewältigt
wird, a a
Und rechnet man nun die Steigerung in der Leistungsfähigkeit
der gesamten Krüppelfürsorge zusammen,
sowohl der geschlossenen wie der offenen, so
zeigt sich folgendes: Von allen Krüppeln wurden 1902
nur 0,8°, versorgt, d.h. noch nicht die Hälfte derer, die
Jährlich durch den Bevölkerungszuwachs hinzutreten,
während das Gros der Krüppelarmee unangegriffen
blieb, ja stetig zunahm; 1913 aber wurden 21,6°, bewältigt,
das ist eine Steigerung um über 20%, und bedeutet, daß
nunmehr überhaupt erst von einer allmählichen sichtbaren
Minderung des Krüppeltums geredet werden kann.
Diese Zahl spricht für sich selbst, sie bringt die Summe
der geleisteten Arbeit und der Zukunftshoffnungen
kurz und bündig zum Ausdruck.
Das ist fürwahr ein geradezu kolossaler Fortschritt, der den
der Anstaltsfürsorge noch weit übertrifft; und ‚diese Freude wird
noch gesteigert durch die Tatsache, daß allerorten neue Fürsorgestellen
schon eingerichtet oder geplant werden. Wenn dies Tempo
noch einige Jahre anhält, dann ist die Zeit nicht mehr fern, wo die
Nichtheimbedürftigen genügend versorgt sind. Ob man zweeckmäßig
mehr die Anstaltsfürsorge betreibt oder die ambulante, wird
von dem örtlichen Bedürfnis abhängen. Auf alle Fälle sollen sie
beide in einer Hand bleiben. Daß die erste bayrische Einrichtung
derart das frühzeitig erkannt und durchgeführt hat, ist vielleicht
das letzte Geheimnis ihres Erfolges.
Nun lassen Sie mich nur noch ein paar Worte über die weniger
sichtbaren Errungenschaften der letzten zehn Jahre sagen.
In die Mitte dieses Jahrzehnts fällt die Zählung aller jugendlichen
Krüppel durch die deutschen Bundesstaaten im
Jahre 1906. Der Pfeil deutet sie in Tabelle I an. Die Entwicklung
der Heime war, wie man sieht, schon im Schuß, die Statistik
hat sie noch mehr gesteigert und die Kurve steiler gestellt. Warum?