Aus Verhandlung über Krüppelfürsorge des 7. Kongresses der
Deutschen Gesellschaft für orthopädische Chirurgie am 25. April 1908,
Berlin Langenbeckhaus.
BırsALsKIı-Berlin hält das einleitende Referat* über die Ergebnisse
der amtlichen Statistik jugendlicher Krüppel in Deutschland, welche er
nach 3 jähriger Arbeit soeben beendigt hat. Das ganze Werk mit allen
Tabellen wird im Herbst bei Leopold Voss erscheinen. Die der Bearbeitung
zugrunde gelegte Begriffsbestimmung und ihre praktischen
Werte sind in dem Aufsatz dieses Heftes (Was ist ein Krüppel? S. 14)
enthalten.
Die entscheidenden Eingaben an die Regierungen sind von der
Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge gemacht worden; Hauptförderer
der Statistik waren Geheimrat HorFA und Geheimrat DIETRICH. Die
gesamte Bearbeitung ist im Bureau des Berlin-Brandenburgischen
Krüppel-Heil- und Fürsorge-Vereins geleistet worden. Sämtliche Bundesstaaten
haben gezählt; Bayern, Baden und Hessen nur das schulpflichtige
Alter und nach einer etwas abweichenden Zählkarte. Alle
übrigen Bundesstaaten haben sich der mit Hilfe vieler Sachverständigen
hergestellten preußischen Zählkarte bedient. Die Technik der Zählung
ist mit Unterstützung des Geheimrats Professor MAyYEr aus dem
Kaiserlich Statistischen Amt durchgeführt worden. 200000 Karten
wurden sortiert versandt; über 80000 durchgearbeitet, wobei neben
dem technischen und Bureaupersonal 22 Ärzte geholfen hatten. Die
Zahlen, welche er mitteilt, beziehen sich nur auf die deutschen Bundesstaaten
ohne Bayern, Baden und Hessen, wenn auch deren Tabellen
im Gesamtwerk mit zum Abdruck kommen werden.
Es sind gezählt worden in Deutschland (ohne Bayern, Baden
und Hessen) 75183 Krüppel im schulpflichtigen Alter, oder 1,48 auf
1000 Einwohner, Davon sind 42249 heimbedürftig, d. h. fast die
Hälfce, oder 0,83 auf 1000 Einwohner. Von diesen rund 423 000 heimbedürftigen
Krüppeln haben rund 9000 selbst Aufnahme iu ein Krüppelheim
gewünscht. Es sind aber in Deutschland nur 3000 Betten dafür
vorhanden. Es wäre nun falsch, zu sagen, folglich müssen für 39 000
Kinder Betten geschaffen werden, Denn, wenn man diese 39 000 aufforderte,
ihre Kinder in ein Heim zu bringen, so würde etwa */„ diesem
Rufe Folge leisten. Das sind 13000. 3000 davon sind schon unterzebracht.
Es genügt also, wenn man für die nächste Zeit die Einrichtung
von 10000 Betten in. Angriff nimmt, um der alleräußersten
Not zu steuern. Für den Erfolg ist es günstiger, mit solchen Zahlen
zu kommen, welche Erreichbares fordern, als mit den Riesensummen,
Alle diese und die folgenden Zahlen erläutert der Vortragzende an
zroßen farbigen graphischen Darstellungen, deren Zahlenwerte die folgenden
Tabellen wiedergeben.
* Der Originaltext dieser wie alle übrigen Referate erscheint in den Verhandlungen
der deutschen Gesellschaft für orthopädische Chirurgie.