Full text : Was ist ein Krüppel?

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sendung der Zählkarten in ihre Heimatländer wird jedem Kreispaket
 eine gedruckte Mitteilung beigelegt, welche diese Begriffsbestimmung
 kurz erklärt und den Wunsch zum Ausdruck bringt,
die Behörden, überhaupt die öffentliche Krüppelfürsorge möchte dem
Orthopädenkongreß folgen und sich diese Begriffsbestimmung zu
eigen machen, Man könnte sie auch kürzer fassen und sie in
2 Teile folgendermaßen zerlegen:
„Kin Krüppel ist dann heimbedürftig, wenn bei Abwägung seiner
sozialen Lage oder etwaiger sonstiger körperlicher Schäden gegen
das Gebrechen angenommen werden kann, daß seine Erwerbsfähigzeit
 in einem Krüppelheim höher wird gesteigert werden können,
als wenn er in seiner Umgebung verbleibt.“ Dann müßte man noch
das Krüppelheim definieren, und hierfür könnte man sagen: „Ein
Krüppelheim ist eine Anstalt, in welcher eine orthopädische Klinik,
eine Volksschule und Handwerksunterricht gleichzeitig so neben- und
:neinander arbeiten, daß ihre Gesamtwirkung die schädigenden Folgen
des Krüppeltums auf das geringste mögliche Maß beschränkt.“
Zunächst ist der Krüppel ein Kranker. Das würde ich raten,
allem voran zu setzen, denn es gibt heute so außerordentlich zahlreiche
 Möglichkeiten, das Krüppelgebrechen ganz oder teilweise zu
beseitigen, daß nach meinem Dafürhalten eine Krüppelfürsorge als
solche gar nicht bezeichnet werden kann, wenn sie nicht in ausgiebigstem
 Maße von dieser Möglichkeit Gebrauch macht.
Nun kommt die Wechselwirkung zwischen sozialer Lage der Umgebung
 und dem Grade des Gebrechens. Da sollte man nun nicht
angherzig sein. Dem Laien stellt sich bei dem Worte Krüppel
ınd Krüppelheim im Untergrunde seines Bewußtseins so eine verschwommene
 Vorstellung ein von „hilflos am Wege sitzen, widerwärtiger
 Verunstaltung, Leierkastendrehen, Schaustellung“ usw.; das
sollte verschwinden. Wenn ein Kind aus einer Umgebung stammt,
in welcher es im Schmutz verkommt, in welcher jede Behandlung
aus Indolenz versäumt wird, wenn dieses selbe Kind schwerhörig
ist, vielleicht etwas schwachsinnig, wenn es als uneheliches in die Ehe
mitgebrachtes Kind dem Stiefvater und der eigenen Mutter schließlich
 lästig wird und auf die Straße getrieben wird zum Erwerb in
[{rüher Jugend, so genügt es für meine Auffassung, wenn dieses
Kind einen einseitigen noch nicht behandelten Klumpfuß hat, um es
als ein der Aufnahme in ein Krüppelheim bedürftiges Kind zu bezeichnen,
 denn hier kann es von seinem Leiden befreit werden, und
hier kann es daneben und ohne Zeitverlust trotz seines Schwach-