Full text : Was ist ein Krüppel?

14jähriger Knabe, Verlust des rechten Beins, geistig gesund,
künstliches Bein: Nk; — erworbenes Fehlen dreier Finger,” steht
am Abschluß der Schulzeit, erwirbt schon in der Landwirtschaft
mit: Nk; — Skoliosen mäßigen Grades: No; — Skoliosen schwererer
Form, mit besonderen Komplikationen, Herzstörungen, Lungenveränderungen,
 Taubstummheit, Schwachsinn: Ht oder Hg; — Lähmungen
 und Kontrakturen im wesentlichen unter: Ht; — schweres
doppelseitiges X-Bein bei einem älteren Kinde: Ht; — leichtes X-Bein
bei dreijährigem Kinde: No; — einseitige Hüftgelenkluxation im
vorschulpflichtigen‘ Alter: No; — doppelseitige Hüftgelenkluxation,
8 Jahre alt, bisher nicht behandelt: Ht; — dieselbe behandelt, ungeheilt:
 Nk; — Klumpfuß, 8 Jahre alt, noch nicht behandelt: Hit;
— 13jähriger Rachitiker, bisher nicht behandelt, geht erst 1'!/, Jahr
zur Schule: Hg; — Spondylitis, 13 Jahre alt, besucht erst seit 1 Jahr
die Schule: Hg; — 6jähriger Knabe, Skoliose 2. Grades, Eltern tot
Großmutter alt und erwerbsunfähig, erhält ihn kümmerlich: Ht. —
Diese Beispiele mögen genügen.
Es ist selbstverständlich, daß es eine Anzahl von Fällen gibt, in
welchen man verschiedener Meinung sein kann, zumal ja das Urteil
nicht auf Grund der Kenntnis des Falles gestellt wurde, sondern
nur aus den Angaben der Zählkarte heraus, und ebenso selbstverständlich
 ist es, daß, wenn die Zählkarten jetzt nachgeprüft werden
von einem Arzte, welcher daneben das Kind selber sieht, es vorkommen
 wird, daß der Untersucher zu einem andern Ergebnis
kommt, wie wir. Das war aber unvermeidlich. Selbst auf die Gefahr
 hin, daß ich mit meiner Anschauung und dieser Einteilung in
vielen Fällen von der Wirklichkeit desavouiert werden werde, will
ich sie doch alle in ihre Heimatländer zurückgeben und bitte Sie,
dann gnädig mit mir ins Gericht zu gehen, denn Sie dürfen überzeugt
 sein, daß ich bestrebt gewesen bin, aus der Statistik so viel zu
machen, als nach Lage der Sache möglich war, und daß der tatsächliche
 Zukunftswert der Statistik nicht so sehr darin beruht, daß
nun hier bei diesen Einteilungen und Rubrizierungen in jedem Falle
das Richtige getroffen ist, sondern in ganz andern Werten.
Denn mit dem rein statistischen Wert sind die Zählkarten nicht
erledigt. Sie besitzen daneben eine große werbende Kraft, welche
ihnen von Anfang an bewußtermaßen beigelegt ist. Es war von
vornherein klar, daß die Statistik, so wie sie unternommen werden
mußte, niemals den zuverlässigen Wert haben konnte, wie sie z. B.
die amtliche Volkszählung hat. Deshalb war es unser Bestreben,