Full text : Kriegskrüppelfürsorge

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Staat; wenn er in seinen zahllosen Betrieben alle wieder unterbringt,
die daraus stammen, sind schon Tausende versorgt. Der opferbereite
Schwung, der durch unser Volk geht, hat die Arbeitgeber veranlaßt,
die veraltete, falsche und unsoziale Ansicht aufzugeben, daß ein Ver—
stümmelter, selbst wenn er ein Handwerk ordnungsgemäß gelernt und
seine Gesellenprüfung bestanden hat, doch vielleicht nicht in der Lage sei,
soviel zu leisten und zu verdienen wie ein Gesunder. Ebenso hat die
Arbeiterschaft selbst aus sittlichen und wirtschaftlichen Gründen durch
ihre Führer erklärt, daß sie die
invaliden Kameraden wieder in
die Arbeit einführen werde,
denn jeder verstümmelte Krie—
ger, der sich nicht durch eigene
Arbeit zu erhalten vermag, fällt
ja schließlich der öffentlichen
Armenpflege zur Last und kostet
zährlich eine bestimmte Menge
Geldes. Wenn er statt dessen
aber selbst verdient, so ergibt
das einen Unterschied zugunsten
des Volksvermögens, der viel
tausendfach vervielfältigt riesen—
hafte Summen darstellt. Da—
neben sei nochmals betont, welch
einen ungeheuren Wert es für
den einzelnen wie ebenfalls sür
die Allgemeinheit hat, wenn
Tausende statt niedergedrückter
Almosenempfänger selbständige
Steuerzahler werden.
Wo es nicht möglich ist,
den Kriegsinvaliden in seinem
alten Berufe unterzubringen,
muß versucht werden, ihn einen
neuen zu lehren. Hier werden
sich Meister oder Fabrikbesitzer
oder Landwirte vornehmlich be—
mühen, nötigenfalls, wenn ihnen dafür ein Lehrgeld gezahlt wird. Für jüngere
Leute stehen die mit reicher Erfahrung ausgestatteten Handwerksabteilungen
der Krüppelheime zur Verfügung, außerdem die Gewerbe- und Fachschulen u.ä.
In den 54 deutschen Krüppelheimen werden in 221 Werkstuben 51 Er—
werbsmöglichkeiten für Männer gelehrt; große Invalidenschulen mit riesigen
Werkstätten sind errichtet; viele Fabriken haben besondere Schulen für Er—
lernung von Teilarbeit eingerichtet, an den Maschinen sind Erleichterungen
für Betätigung durch Amputierte angebracht, ja ganz neuartige Werkzeuge
und Hilfsvorrichtungen hat man besonders in Spezialfabriken ersonnen.

Fig. 63. Soldat mit Kunstarm wie in Fig. 61 beim
Holzstemmen.