Full text : Kriegskrüppelfürsorge

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B. Was kann ein Krüppel arbeiten:

Der Laie muß sich einprägen,
daß es kaum eine noch so schwere
Verstümmelung gibt, welche den
Betroffenen dauernd und voll—
ständig erwerbsunfähig macht.
Auch wer beide Füße und Hände
verloren hat, kann dazu gebracht
werden, daß er vollständig un—
abhängig von fremder Hilfe sich
umkleidet, reinigt, ißt und durch
eigene, sogar schwierige Arbeit
sein Brot verdient. Niemals
wieder darf das unwürdige
Bild des kriegsinvaliden
Leierkastenmannes oder Hausierers auf unseren Straßen er—
scheinen! Bei einmütiger Zusammenarbeit der Sachverständigen mit der
deutschen Arbeitgeberschaft wird es möglich sein, jeden Verstümmelten, er sei
so schwer betroffen wie er wolle, wieder einem Erwerb zuzuführen. Selbst—
verständlich verbleiben ihm daneben alle Bezüge, die er aus seiner Ver—
stümmelung vom Staate auf Grund gesetzlich festgelegter Ansprüche erhält.
Einige von zahllosen Beispielen mögen den Beweis für die Richtigkeit
der Behauptung erbringen, daß selbst mit hochgradigen Verkrüppelungen
noch volle Arbeit geleistet werden kann, um wie viel mehr mit geringeren
Verunstaltungen. Ein Mann, der durch einen Betriebsunfall seine rechte
Hand verloren hat, hat in einem Krüppelheim die Orthopädiemechanik
gelernt und vor der
Handwerkskammer
seine Gesellenprü—
fung mit gut bestan—
den, nachdem er als
Gesellenstück einen
schwierigen orthopä—
dischen Apparat an—
gefertigt hat. Beim
Schmieden schnallt
er sich den Hammer
an den Armstumpf,
alle übrige Arbeit
macht er ohne einen
Ersatz für die Hand
und ist dabei nicht
weniger geschickt und
schnell wie jeder zwei—
händige Gesunde.

Fig. 44. Mädchen mit angeborener Amputation beim Essen. Die
Gabel wird in den Rockärmel gesteckt und mittels des Stumpfes
geschickt bewegt.