Brandenburg. Lazarettunterricht.
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Geworfenen die Zukunft zu sichern, noch ehe ihm während monate—
langer Wundbehandlung die Untätigkeit langsam zur Gewohnheit
und der Gedanke zur fixen Idee geworden, daß durch seine Ver—
stümmelung eine Erwerbstätigkeit unmöglich sei, also pog ehe sich
Einflüsse geltend machen, die unter Hinweis auf die Unterhaltungs—
pflicht des Staates die Kriegsverstümmelten im Streben nach Be—
tätigung hemmen.
Wir beschäftigten deshalb von Anfang an gerade die nicht mehr
dienstfähigen Verstümmelten in der Richtung auf ein bestimmtes
Berufsziel, indem wir dur die Ausbildung des Kopfes die ver—
loren gegangenen Gliedmaßen zu ersetzen suchten.
Die großzügige Anwendung der Erfahrungen der Friedens—
krüppelfürsorge auf unsere Krieger durch Prof. Biesalski-Berlin
brachte die wichtige Parole, den Kriegsverstümmelten nach Mög—
lichkeit seinem Beruf und seiner Heimat zu erhalten, ihn
einem neuen Beruf nur dann zuzuführen, wenn trotz medicomecha—
nischer und orthopädischer Behandlung und trotz geschickter künst—
licher Glieder, in denen wir jetzt außerordentlich weit fortgeschritten
sind, der alte nicht mehr nußbringend ausgeübt werden kann. Wir
entgingen durch diese Parole der Gefahr, den Arbeitsmarkt
nach dem Friedensschlussemiteinem Heervon Schreibern
und Bürobeamten zu überschwemmen, den Berufen, die
jedem Verstümmelten am nächsten liegen, und die tatsächlich auch
immer zuerst ins Auge gefaßt werden.
Aus diesen Erwägungen und Erfahrungen ergab sich der Plan
für eine praktische Anpassung der Verstümmelten an die neuen,
durch ihre Verwundung geschaffenen Bedingungen. Es handelte
sich zunächst darum, festzustellen, was jeder nach zweckmäßigster
(chirurgischer und orthopädischer) Behandlung noch leisten könne,
zweitens darum, durch Unterricht und Uebung den Ausfall
wettzumachen oder den geeignetsten neuen Beruf unter Berück—
sichtigung des Lebensganges und des alten zu finden und zu lehren,
und drittens, dem Neuorientierten eine Arbeitsstelle zu ver—
e die ihn zusammen mit der Pensionshilfe des Staates er—
nährt.
Wir gründeten demgemäß in Freiburg eine zentrale Organi—
sation, deren Vorsitz und Leitung der bekannte Staatsrechtslehrer
Geh. Rat Rosin übernahm. Sie gliederte sich in drei Abteilungen.
Die erste, von uns wirtschaftliche genannt, setzt sich aus
Kennern der Berufe und Arbeitsverhältnisse zusammen; sie wird
gebildet durch zwei Privatdozenten der Nationalökonomie und
einem erfahrenen praktischen Juristen. Sie soll den Verstümmelten
bei der Berufswahl beraten. Der zweiten, der Unterrichts—
abteilung, gehören Direktoren der Handels-, Gewerbe— und
Landwirtschaftsschule an; sie bestellt die Lehrkräfte. Die dritte bildet
das Arbeitsamt mit seinem Vorstande.
Die Tätigkeit der Organisation, die zunächst am Vereinslazarett
Friedrichsgymnasium erprobt, dann auf die übrigen Rotkreuzlaza—
rette ausgedehnt wurde, bewährte sich. Schwierigkeiten boten sich