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Anhang.
Invalide im alten Berufe nicht mehr in der früheren Weise tätig
sein, so wäre zunächst zu versuchen, ob er nicht innerhalb der alten
Berufsart für eine angemessene Beschäftigung ausgebildet werden
kann, die ihm die Verwertung der erworbenen Fachkenntnisse er—
möglicht. In vielen Berufen finden sich Arbeitsarten, bei denen der
eine oder andere körperliche Mangel völlig bedeutungslos ist; viel—
fach werden auch derartige Mängel durch Fertigkeiten ausgeglichen
werden können, die das in der Berufsart übliche Durchschnittsmaß
übersteigen; es wird daher dem Invaliden oft am besten damit ge—
dient sein, daß er in seinem alten Fache eine erweiterte Ausbildung
erhält, die ihm die Erschwernisse ausgleicht, welche die Verwundung
oder Erkrankung gesetzt hat. Der Beruf sollte daher nur gewechselt
werden, wenn dies unbedingt nötig ist oder der Invalide die Ge—
wißheit hat, daß er in einem anderen Berufe ein besseres und be—
friedigenderes Auskommen findet. Muß der Beruf gewechselt
werden, so ist die Frage, welchem neuen Berufe der Invalide zu—
geführt werden soll, ganz besonders sorgfältig und gewissenhaft zu
prüfen; die Prüfung muß sich auch darauf erstrecken, ob der In—
balide mit den ihm verbliebenen Kräften und Fähigkeiten den Beruf
befriedigend ausüben kann, ob er sich mit den Mitteln, die ihm zur
Verfügung stehen oder von der Kriegsinvalidenfürsorge oder ander—
weitig zur Verfügung gestellt werden können, genügend ausbilden
kann und ob nach Lage des Arbeitsmarktes Aussicht besteht, den
Invaliden in dem neuen Berufe angemessen unterzubringen. Es
kann nicht dringend genug davor gewarnt werden, die Invaliden
in zu großer Zahl für die gleichen Berufe auszubilden oder Berufen,
wie denen der Buchhalter, Kanzlisten, Schreiber und dergl. zuzu—
führen, in denen erfahrungsgemäß fortgesetzt ein Ueberangebot an
Arbeitskräften vorliegt. Die einzelnen Berufe können nur einen
verhältnismäßig kleinen Prozentsatz Erwerbsbeschränkter auf—
nehmen; auf je mehr Berufsarten sich die Invaliden verteilen, um
so leichter wird ihre Unterbringung sein. Der neue Beruf sollte
fich auch der bisherigen Tätigkeit des Invaliden möglichst nähern;
je weiter er sich davon entfernt, um so schwieriger wird es dem In—
daliden werden, ihn zu erlernen; Invalide, die jahrelang körper—
liche Arbeit verrichtet haben, sollten daher geistigen Berufen nur
dann zugeführt werden, wenn sie hierfür besondere Anlagen und
Fertigkesiten haben. Wer ständige Arbeit im Freien gewohnt ist,
wird sich nur selten in Schreibstuben wohl fühlen.
Der Invalide darf in seiner soziglen Stellungr nicht
sinken; darauf muß bei der, Berufsberatung und Arbeitsver⸗
mittlung ganz besonders geachtet werden. Es kann dem Invaliden
nicht warm genug ans Herz gelegt werden, von den sich ihm
bielenden Gelegenheiten, seine soziale Stellung zu wahren und zu
heben, mit ganzer Kraft und festem Willen Gebrauch zu machen,
und sich davor zu bewahren, aus Bequemlichkeit, Willensschwäche
oder Mutlosigkeit eine sinkende Bahn zu betreten.
Es muß insbesondere davor gewarntwerden, sich ohne
zwingende Not den sogenannten ungelernten Berufen, wie Tag—