Full text : Kriegsinvaliden und Gewerkschaften

der Gewerkschaften.

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Die Arbeitsvermittlung spielt bei dieser Fürsorge
ebenfalls eine bedeutsame Rolle. Die Vereinigung für Krüppel—
fürsorge erklärt schon ihre Bereitwilligkeit, mit Vertretungen der
Arbeitgeber in Handel, Industrie und Landwirtschaft in Ver—
bindung zu treten, um sie zu veranlassen, den Kriegsbeschädigten
Gelegenheit zu Arbeit und Verdienst zu geben. Das ist keine
Lösung der Frage. Die Vereinigung für Krüppelfürsorge leistet
zweifellos auf ihrem Gebiete Mustergültiges und ihr gebührt der
Dank des Volkes für ihr vorbereitendes Wirken im Dienste der
Kriegsopfer. Aber für die Arbeitsvermittlung ist sie keine ge—
eignete Instanz. Schon die von ihren berufenen Vertretern aus—
gesprochene Erwartung, die Arbeitgeber werden aus
patriotischen Gründen ihre Werkstätten den Krüppeln
oöffnen, zeigt, daß die Vereinigung hier ein ihr fremdes Gebiet
betritt. Es liegt gewiß kein Grund vor, den Arbeitgebern
weniger Patriotismus vorzuwerfen als andern Schichten der Be—
völkerung. Sie haben davon nicht mehr und nicht weniger. Aber
der Arbeitsmarkt hängt nicht mit dem Patriotismus zusammen,
sondern mit andern sehr realen und rein volkswirtschaftlichen
Faktoren. Es mag gelingen, auf dem Wege der Wohltätigkeit
einem Krüppel eine erste Stelle zuzuweisen, aber hier haben
wir es mit sehr vielen zu tun und sie bleiben dauernd vom Ar—
beitsmarkt und seinen Schwankungen abhängig. Die Anlehnung
an das Rote Kreu;, die in Aussicht genommen ist, wird allein
auch nicht ausreichen. Hier ist ein Zusammenwirken aller Inter—
essentenkreise, neben den Staats- und Militärbehörden vor allem
auch der Arbeitgeber- und Arbeiterorganisationen mehr denn je
erforderlich. Die Staats- und Militärbehörden sowie die Ge—
meindeverwaltungen werden in erster Linie bemüht sein müssen,
—
deswegen wichtig, weil diese Betriebe nicht in gleichem Maße den
Schwankungen der Wirtschaftslage ausgesetzt sind, wie die ge—
werblichen Betriebe.

Da die Erwerbsfähigkeit der Krüppel aber in den
meisten Fällen doch wohl für immer geringer sein wird als
die der gesunden Arbeiter, ist es für sie von Bedeutung, wenn sie
nicht so oft ihren Arbeitsplatz wechseln müssen. Ihre Kon—
kurrenzfähigkeit auf dem Arbeitsmärkte wird sich auch ver—
mindern, je weiter wir uns von der Zeit des Krieges entfernen
und die jetzt heranwachsende Generation junger Arbeiter so—
zusagen betriebsfähig wird.
Sind wir also mit dem Ziele durchaus einverstanden, die
Kriegsbesschädigten der deutschen Volkswirt—
schaft. wieder zuzuführen und fie vor dem un—
würdigen Los des Almosenempfängers zu be—
wahren, so dürfen wir doch nicht unterlassen, auf die hiermit
verbundenen Probleme hinzuͤweisen. Daß unsere Gewerkschaften
 bereit sind, für ihren Teil an der Lösung dieser Auf—
gaben mitzuwirken, braucht kaum erst betont zu werden. Sie sind