Full text : Kriegsinvaliden und Gewerkschaften

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Interesse und Aufgaben

Gesamtheit der Arbeiterschaft gleichgültig sein, zu
welchem Zeitpunkt die Kriegsinvaliden dem Erwerb wieder
zugeführt werden, in welchen Berufen und Betrieben sie
untergebracht werden, von wem ihnen die Arbeit vermittelt
wird, zu welchen Lohn- und Arbeitsbedingungen sie beschäftigt
werden sollen, ob sie als Lohndrücker gebraucht werden dürfen,
und bei wem se Schutz und Hilfe suchen können, deren sie
nicht nur bei der Arbeit, sondern auch zur Wahrung ihrer
Interessen dem Unternehmer gegenüber bald gar sehr be—
dürfen werden? Kann noch ein Zweifel darüber bestehen,
daß alle diese Fragen das unmittelbare Interesse der Gewerk—
schaften und aller Gewerkschaftsmitglieder aufs engste be—
rühren? Hier liegen Aufgaben vor, die von solcher Wichtig—
keit nicht nur für die Kriegsinvaliden, sondern für die ge—
samte Arbeiterschaft sind, daß ihre Erfüllung von keiner Ge—
werkschaft abgelehnt werden kann.
An die Beratung dieser neuen Aufgaben sind die Gewerk—
schaften schon frühzeitig herangetreten. Am 30. Januar 1915
nahm das Correspondenzblatt der Generalkommission in
einem Artikel zu der Frage Stellung und führte darin aus:
„Für die Mehrzahl dieser Kriegsbeschädigten besteht also die
Hoffnung, daß sie ihre Erwerbsfähigkeit mehr oder weniger
wiedererlangen können. Das wird auch die organisierte
Arbeiterschaft mit Freuden begrüßen. Ganz abgesehen
davon, daß es ihre eigenen Angehörigen sind, die in großer Zahl
sich unter den Opfern des Krieges befinden, ist die organisierte
Arbeiterschaft Deutschlands durch ihre sozialistische Schulung
schon für die Aufbietung aller Kräfte zu haben, die den Kriegs—
opfern ihre Lebensfreude wiedergeben und sie als nützliche Glie—
der dem Volksganzen wieder einzugliedern vermögen.
Bei der Lösung dieser großen Aufgabe muß allerdings darauf
Bedacht genommen werden, daß die Kriegsinvaliden nicht als
Lohndrücker von gewissenlosen Unternehmern benußtzt wer—⸗
den können. Das kann einerseits erreicht werden durch Ver—⸗
ständigung zwischen den Unternehmerorganisationen und den Ge—
aue und anderseits durch eine zweckmäßige Verteilung
der Invaliden auf möglichst viele Berufe, damit sie nicht einzelne
Berufe überfluten. Soweit sie ihren ursprünglichen Beruf aus—
üben können, regelt sich diese letztere Frage von selbst. Wo aber
zu einem neuen Beruf gegriffen werden muß, ist es notwendig,
von vornherein darauf zu achten, daß nicht eine Ueberflutung
einzelner Berufe stattfindet. Eine Mitarbeit der Ge—
werkschaften an diesem Teil der Kriegsinvalidenfürsorge ist
aus diesen Gründen dringend notwendig. Es muß vor—
gebeugt werden, daß nach dem Kriege die Kriegsbeschädigten zum
Gegenstand von schwerwiegenden Konflikten zwischen Unter—
nehmern und Arbeitern werden.