—
*
—
I
*
—
ö—e — s — —
— ——
*
Interesse und Aufgaben der Gewerkschaften.
Es gab bekanntlich auch eine Zeit, in der die Mehrheit
der Gewerkschaftsmitglieder es noch ablehnte, die Unterstützung
der Arbeitslosen als eine Aufgabe der Gewerkschaften
anzuerkennen; dem Staate, sagte man, der die Arbeitslosig—
keit durch seine Wirtschaftspolitik verschulde und sie daher
allein zu verantworten habe, dürfe die Pflicht der Unter—
stützung nicht abgenommen werden. Aehnlich könnte jetzt
auch gesagt werden, daß die Gewerkschaften mit dem
Krieg nichts zu tun haben und daß die Sorge für die Kriegs—
invaliden daher nicht ihre Sorge ist. Teilweise wird
diese Ansicht auch in den Kreisen der Mitglieder vertreten,
aber sie ist ebenso falsch, wie die frühere Abneigung gegen die
Arbeitslosenunterstütztung es war. Daß die Gewerkschaften
nicht daran denken, dem Staat seine Pflichten abzunehmen,
beweist wohl zur Genüge die eine Tatsache, daß gerade ihre
Vertreter am entschiedensten bis auf den heutigen Tag die
gesetzliche Arbeitslosenversicherung gefordert haben — trotz
der eigenen Unterstützungseinrichtungen. Ebensowenig kann
bei der Kriegsinvalidenfürsorge die Rede davon sein, daß die
organisierten Arbeiter daran nicht unmittelbar interessiert
wären, und daß die Gewerkschaften daher nichts mit der Sache
zu tun hätten.
Daß der Staat resp. das Reich die Sorge für die Kriegs—
invaliden gar nicht ablehnt, wissen wir bereits. Freilich sind
die Renten, die das Reich gewährt, noch zu niedrig, und es
gelingt hoffentlich bald, eine angemessene Erhöhung durch—
zusetzen. Aber wir haben gesehen, daß die Heeresverwaltung
auch bestrebt ist, die Verwundeten und Erkrankten unter An—
wendung aller modernen Heilmittel so zu heilen, daß sie mög—
lichst ihren alten Platz im Erwerbsleben wieder ausfüllen
können. Also sollen auch die Arbeiter, die ohne Zweifel
einen großen Prozentsatz der Kriegsinvaliden ausmachen,
wieder zu ihrer Arbeit am Schraubstock oder an der Hobel—
bank usw. zurückkehren. Die Wiederaufnahme der Beschäfti—
gung ist an sich durchaus zu begrüßen, aber kann es etwa der