— 72
in der Nachbarschaft Krüppelfürsorge bereits treiben. Es wird in vielen
Fällen möglich sein, durch Erweiterung bestehender Anstalten auch
für abgelegene Bezirke Hilfe zu schaffen. In andern Fällen kann sich die
neue Fürsorgestelle an ein bestehendes Krankenhaus, eine Klinik anlehnen
oder sich unter den Schutz einer Religionsgemeinschaft oder
sozialen Einrichtung oder des Kultus stellen. Freimaurerlogen haben
z, B. in Leipzig ein schönes Heim geschaffen. Nach dem Vorbilde in Berlin
sind in mehreren Städten neue Heime dadurch entstanden, daß eine
orthopädische Privatklinik einige Betten und ihre Operationseinrich-Fig.
74. Dampferpartie nach der Oberspree,
tungen für den Anfang zur Verfügung stellte; ein zu dem Zweck begründeter
Verein half dann weiter.
Wenn irgend möglich, sollte eine neue Anstalt nicht allein auf
Mildtätigkeit, den Ertrag von Kollekten, Bazaren und dergl. begründet
werden, sondern die Einnahmen sollen so gesichert sein, daß sie unabhängig
sind von Schwankungen des wirtschaftlichen und politischen Lebens. Die
Krüppelfürsorge arbeitet im Interesse der öffentlichen Geldgeber, und sollte
von ihnen beanspruchen dürfen, daß sie dafür in ihrem Etat sichergestellt
wird. Die Berliner Anstalt hat als erste den Grundsatz aufgestellt, daß
ein Krüppelheim den ortsüblichen Satz der Krankenhausbehandlung erheben
muß, wobei es Schule und Handwerkslehre immer noch zugibt.
Des verstorbenen Stadtrats MÜNSTERBERG Verdienst ist es, ohne weiteres
darauf eingegangen zu sein.