Full text : Leitfaden der Krüppelfürsorge

Fire. 51. Aus der Schneiderwerkstätte

IV. Die Handwerkslehre.

Das Endziel aller Krüppelfürsorge ist, den Krüppel erwerbsfähig
machen. Da es sich nur um arme Kinder handelt mit Volksschulbildung,
kommen nur Handwerke in Betracht, abgesehen von vereinzelten Fällen,
in denen hervorragende künstlerische oder sonstige körperliche und geistige
Begabung die Ausbildung in besonderen Berufsarten ermöglicht z. B. Musik,
Zeichnen und Malen, Zahntechnik, Uhrmacherei und dergl. mehr, vielleicht
auch einmal Studium. Daß man den Krüppel erwerbsfähig macht, hat
zwei gute Gründe. KErstlich verschafft man ihm damit das höchste Gut
des freien Menschen, nämlich die selbständige Existenz und damit
die Verfügung über die eigene Person. Statt des von aller Welt
verlachten und verstoßenen Krüppels, in dem Bosheit und Wut schließlich
Leidenschaften großziehen können, wie in Shakespeares Richard III, wird
ein zufriedener und in sich selbst ruhender Charakter herangezogen. Statt
daß der Krüppel geduldet wird und seinen Angehörigen zur Last fällt,
schafft er sich einen eigenen Herd. Bei der riesenhaften Zahl von Krüppeln
ist dieser sozial-ethische Vorteil nicht nur aus Mitleid mit dem Kinzelwesen,
 sondern auch vom Standpunkt der Allgemeinheit von ungewöhnlicher
 Bedeutung. Dem Vagabondentum und Verbrechertum werden auf
diese Weise eine nicht unerhebliche Zahl von Verkrüppelten entzogen.
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