Full text : Leitfaden der Krüppelfürsorge

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Der beste Unterricht ist der auf den Prinzipien des Werkunterrichts
aufgebaute; er fordert, daß durch Selbstbetätigung der Kinder und durch
Vermittelung ihrer Sinne und nicht rein gedächtnismäßigdie Kenntnisse
erworben werden. Die Kinder müssen sich also ihr Wissen durch Handbetätigung
 selber aneignen, indem sie z. B. ein Lindenblatt in Plastilin
formen, sich ihre Buchstaben aus Holz oder Ton selber anfertigen, die
Insel Helgoland plastisch kneten und dergl. mehr. Was sie auf diese
Weise erlernen, vergessen sie niemals, und der Unterricht ist für sie
mehr Spiel und Beschäftigung als unerfreuliche Anstrengung. Zu gleicher
Zeit aber schult der Werkunterricht die Handfertigkeit, und das bedeutet
eine Schulung des Gehirns und der Entschlußfähigkeit, denn wir schreiben,
formen und malen nicht mit unsern Fingern, sondern mit unsern Gehirnzellen,
 von denen aus die Finger bewegt werden. Spielend fällt dabei der
Vorteil ab, daß bei einem solchen Kinde schon während der Schulzeit
festgestellt werden kann, für welchen Beruf es mit seinen etwa noch
vorhandenen körperlichen Kräften und Geschicklichkeiten später am besten
geeignet ist, und daß es daraufhin diese Fertigkeiten in der Schule
vorbereitend übt,
Da unter den heimbedürftigen Krüppeln rund 15 vom 100 geistig
nicht normal sind, so ist damit die Notwendigkeit einer Hilfsklasse im
Krüppelheim bewiesen, die weiterhin aufgefüllt wird durch die geistig
matten und langsamen Kinder, welche erst allmählich zu ausreichender

Fig. 46. Werkunterricht: Dezimalwage.
Jedes Kind baut sich selbst aus einer Zigarrenkiste die Wage,
Die beiden Mädchen links prüfen an der großen Wage nach.