Full text : Denkmäler deutscher Sprache und Literatur aus Handschriften des 8ten bis 16ten Jahrhunderts (Erstes Heft)

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W. Wackernagel sendete mir unterm 16. Jan. 1827 eine Ab⸗
schrift desselben aus der Wie ner Papie rhandschrift mit manchen sinni⸗
gen Bemerkungen zum, Abdrucke in diefen Denkmälern zu*.) Ich sahe
wohl, daß nothwendig der Tert des Colo czaer Codex als besser dazu
genommen werden müßte Ceider fehlt er gerade in dem sonst entspre⸗
chenden Cod. palat. 341, den ich deßwegen v. J. mehrmals durchsuch⸗
te). Von den Bemerkungen W's geb' ich, was — auch für die mitfol⸗

Er schreibt: „Ich schicke Dir, l. M., dieses Gedicht mit der Bitte ihm ei⸗
nen Platz unter deinen Anekdotis zu gönnen. Daß es dessen werth sey,
wird mit Dir Jeder zugeben, der Sinn sür Humdr und Freude daran hat,
wenn Grammatik und Lexicographie Zufluß gewinnen. Um so mehr müs—
—D dieses Gedicht die Kritit lediglich auf unersprieß⸗
liches Conjekturen-machen beschraͤnke ist. Warum mußte grade dies aus dem
Solocza er Coder, der es doch enthalt, nicht abgedruckt werden und in dem
Pfälzer Original desselben fehlen? So bleibt uͤns nun die schlechte Wiener
Handschrift Nro. CXIX. der kaiserl. Bibl. sdie aber doch B. 62 — 85 richti⸗
ger stellt). Daher habe ich es aus einer durch Hrn. vo d. Hagens Gute
mitgetheilten Copie Sch ottky's — —
„Du wirst mir also Erlauben einige Anmerkungen hinzu zu fügen. Sie
sollen aber, eben nur kritischen Inhalts seyn. Vollständige Erklärung würde
kheils zu viel Raum koften, theils — offen gestanden hin und wieder meine
ähigkeit übersteigen. Ueber Vieles, was nicht bloße grammatische, Einzel—
eiten sind, kann fich auch leicht ein Jeder durch Vergleichung aͤhnicher alter
Poesien im 3. Theile der Müillerischen Sammlung und in Vieths dietmarfi—
scher Chronik, aus einigen Volksliedern und besonders aus den Märchen
der Gebr. Grimm nebst den Anmerkungen des dritten Bandes is. auch Hei⸗
delb. Jahrb. d. 8: 1826 Rro 76, S. 1213 - 12131 belehren. Uebrigens
ist auch bas 181ste Gedicht der Wienc Handsch. N. cécc ein sol⸗
ches Lügenmärchen, aber bei weitem nicht so genial, als obiges.
„Viele Verbesserungen sammt dem Grunde der Verderbniß des Wi ener
Textes] liegen am Tage. So z3. B. das fünfzehenmalige in fal (für in'n,
in en, in den ßaky; eben wie 40. an (für anen, an den), 204. durhu
uür durch den) steht. So ferner die Syncope und Apocope unbetonter e,
wie 3: 4. land: Tand fur (Golocz.) Iande: Tande, 70 kumpostperg;
twergfür (Col.) — herge: twerge(n), — überhaupt Alles, was zungachst der
Mundart des Schreibers angehort. Außerdem darf di⸗ Conjecturalkritik
bier nichtviel waͤgen, damit sie hicht — absichtlichen Unsinn weniger unfin—
nig mache oder Worte für fehlerhaft erkläre, die wir nur nicht mehr ver—
stehn. —— dies werden die hauptsächlichsten Emendationen seyn Ich
ersuche Dich, 1l. M. sie aus deinem reichen Schatze, wo es Noth thut,
zu widerlegen, zu verbessern und zu ergänzen.“

Berlin den 1bten Januar 1827.

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39 Dein
Wilh. Watkernagel.