Full text : Zeitschrift für Krüppelfürsorge, 10.1917,6 (10.1917,6)

234 Dr. P. Mollenhauer. Bericht über die Generalversammlung des k. k. Vereins usw.
Unterarmstümpfen wurde die Supination zur Fingerbewegung der Kunsthand
benutzt.
Ing. G. Silvestri: Die künstliche Hand als Greifwerkzeug. Er unterschied
solche Kunsthände, die mit einem Zug, und solche, die mit 2 Zügen betätigt werden.
Die ersteren sind gewöhnlich so konstruiert, daß der Daumen mit Federkraft den
ergriffenen Gegenstand festklemmt, und daher stets einen gleichartigen Druck
ausübt. Soll der Gegenstand freigegeben werden, so muß dieselbe Bewegung
wie zum Ergreifen ausgeführt werden. Ein besonderer Nachteil liegt darin, daß
die Hand keinen Halt in vertikaler Richtung bietet und das Tragen schwererer
Gegenstände unmöglich wird. Vorteilhafter sind Kunsthände mit 2 Zügen zu
verwenden, von denen der eine die Hand öffnet, der andere sie schließt. Als
Beispiel wurde eine schematische Zeichnung der Carneshand vorgeführt und
gezeigt, daß diese Konstriktion einen Nachteil hat, daß ein sehr langer Weg zur
Auslösung erforderlich ist. Eine andere Konstruktion vermied diesen Nachteil.
Oberarzt Dr. F. Bauer: Kurzstumpfprotheseu. Kurze Oberarmstümpse
werden mit einem Innenriemen gefaßt und erhalten statt der Lederhülse ein
iußeres Metallgerüst. Bei Exartikulierten wird das Gelenk an den unteren Pol
der Schulterkappe gelegt. Für landwirtschaftliche Arbeiten montiert er das
Arbeitsgerät möglichst direkt an den Stumpf. Diese Prothesen wurden an einer
Reihe von Leuten vorgeführt. Eine Garnitur zeigte die verschiedenen Teile
des normalisierten Arbeitsarmes.
Regimentsarzt Dr. J. Pokorny: Arbeitsbehelfe für einarmige Landwirte.
Außer dem Kunstglied erhalten alle Ober— und Unterarmamputierten einen
Arbeitsgürtel, an dem das Arbeitsgerät befestigt werden kann, um mit der ge—
sunden Hand geführt zu werden. Oberarmamputierte erhalten einen Arbeits⸗
arm, der aus 2 Ledermanschetten besteht und mit Schienen verstärkt ist. Dieser
Arm wird an dem Stumpf festgeschnallt und kann ohne Modell hergestellt werden.
Mit einem Ellbogengelenk wird er nicht ausgerüstet. Zur Aufhängung des Armes
dient ein Kummet. Eine ähnliche Konstruktion ist auch für Unterarme eingeführt.
Zum Pfügen wird die Kellerhand benutzt.
Ehrenfest Egger führte an einem Offizier einen Kunstarm vor, der auf
Veranlassung von Admiralstabsarzt Prof. Dr. Freiherr von Eiselberg ausgeführt
worden ist. Er hatte eine künstliche Hand, mit der in jeder beliebigen Armstellung
Gegenstände ergriffen und festgehalten werden können, so daß sie in mancher
Beziehung der Carneshand überlegen war.
Geheimrat Prof. Dr. O. Vulpius (Heidellberg): Kombination oder Tren⸗
nung von Arbeitsarm und Schönheitsarm. Wegen der vorgerückten. Zeit wurde
aur kurz auf die Kombinationsmöglichkeit von Arbeits- und Schönheitsarm hin⸗
zewiesen und der Wunsch geäußert, daß auch Armamputierte ebenso wie die
Beinamputierten zwei Prothesen geliefert bekommen müßten.
Regimentsarzt Dr. O. Stracker: Arbeitsbehelfe für Gelähmte. An einer
Reihe Soldaten wurden verschiedene Konstruktionen für Lähmungen und schlecht
geheilte Knochenbrüche vorgeführt, die als Arbeitsbehelfe dienen. Leute mit
Beinverkürzungen erhalten ein provisorisches Gestell, das die Verkürzung aus—
gleicht.