Full text : Zeitschrift für Krüppelfürsorge, 10.1917,6 (10.1917,6)

224 Carl Rossow. Das Turnen als Heilfaktor bei den Verwundeten und Kriegsversehrten.
er ihn sonst fast ängstlich hütet. Aber das ist gut so, und das soll ja gerade er—
reicht werden durch Turnen, Spiel und Sport, daß der Kriegsbeschädigte seine
hesonderen Leiden vergißt und sich gleich kräftig und gleich befähigt fühlt wie
—
Und daß nicht nur einfache Spiele den Einarmern und Einbeinern zuge—
mutet werden können, sondern daß sie selbst zu größeren Wettspielen fähig sind,
zeigte ein Faustballspiel in Ettlingen, bei dem die Kriegsversehrten mit
147 Bällen in 20 Minuten dem dortigen Turnverein gegenüber Sieger blieben.
So haben wir in den Spielen, in den Turnübungen für unsere Kriegs—
versehrten ein Kräftigungs-, ein Erholungsmittel für Körper und Geist, von
dem alle Anstalten, welche sich der Pflege und Ausbildung der Kriegsver—
sehrten widmen, den weitgehendsten Gebrauch machen sollten!
Ungleich wichtiger aber ist es noch, daß nunmehr nach der Entlassung aus
diesen Anstalten den Kriegsversehrten Gelegenheit gegeben wird, auch weiter—
hin Spiel und Turnen zu pflegen. Da harrt der Turnvereine eine neue, schöne,
vaterländische Aufgabe: durch besondere Riegen für Einarmer und Einbeiner
unter sachkundigen Vorturnern, die event. besonders dafür auszubilden sind,

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Fig. 8. Orthopädisch-chirurgisches Reservelazarett Ettlingen in Bgden.
Freiübungen der Kriegsversehrten:

müssen sie dafür sorgen, daß der entlassene Kriegsversehrte das ihm lieb ge—
wordene Turnen fortsetzen kann, so daß, was die Einarmschule begonnen hat,
fortgeführt wird zur dauernden Genesung.“ Und es ist sehr erfreulich, daß schon
eine große Reihe größerer und kleinerer Turnvereine an die Lösung und Durch—
führung dieser neuen Aufgabe herangegangen ist, überall mit reichem Erfolg.
So liegen bereits Berichte vor über das Bestehen und Turnen derartiger Ein—
armer- und Einbeinerabteilungen aus Berlin, aus Leipzig, aus Hamburg, vom
Essener Turnverein von 1848, vom Mannheimer Turnverein von 1846, aus
Kiel und anderen Orten. Kiel bietet zudem ein ausgezeichnetes Beispiel für
die Zusammenarbeit der Turnvereine und der beteiligten ärztlichen Kreise.
Hier in Kiel haben in einer gemeinsamen Sitzung außer Vertretern der Tur—
nerei mehrere ärztliche Sachverständige aus den beteiligten Anstalten — chirur—
gische Universitätsklinik und Marinelazarett Wik — sowie andere um das Wohl
der Kriegsverletzten besorgte Persönlichkeiten den Plan dahin festgelegt, daß
die Ubungen für die Einarmigen und Einbeinigen zunächst gesondert vorge—
nommen werden sollen, jene unter Leitung eines Oberrealschul-Turnlehrers
in einer Turnhalle, diese unter Leitung des Universitäts-Turnlehrers in den
genannten Heilanstalten selber. Jede Gruppe wird zunächst wöchentlich eine