Full text : Rechenschafts-Bericht über die Berlin-Brandenburgische Krüppel-Heil- und Erziehungsanstalt, Berlin, 4.1910/12 (4.1910/12)

1912
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Februar
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Der innere Betrieb ist ruhig weiter gelaufen .und hat sich in sofern vervollkommnet,
 als die Schule und die Verwaltung eignen Beamten unterstellt wurden.
Herr Verwaltungsinspektor Ramm leitet das Wirtschaftswesen und Bureau, Herr
Erziehungsinspektor Würtz die Erziehung und Schule. Was in der letzteren Abt*eilung
 an neuen Gedanken verwirklicht ist, schildert ein besonderer Abschnitt.
Am 1. Januar 1912 schied aus unseren Diensten nach 2jähriger Tätigkeit die
Oberschwester Magdalene Schück, weil ihr der anstrengende Dienst bei ihrem
vorgeschrittenen Alter zu beschwerlich wurde. Ihr Andenken wird um ihres gütigen
Wesens und ihrer unermüdlichen mütterlichen Fürsorge willen in der Anstalt noch
lange fortleben.
An ihre Stelle trat Schwester Isedora Schubert, die namentlich in Säuglings-
 und Kinderpflege ausgebildet ist.
So ist der Dienst nunmehr so geteilt, daß iede Abteilung, Schule, Wirtschaft,
Schwesternschaft, ihre eigene leitende Persönlichkeit hat, die dem ärztlichen Leiter
der Klinik als dem Direktor des Hauses unterstehen. Wöchentliche Konferenzen dieser
4 Personen und eıne im Laufe der Zeit aus den Erfahrungen entsprungene Abgrenzung
der Amtstätigkeit der einzelnen haben dazu geführt, daß überall ein frisches auf
persönlicher Bewegungsfreiheit und Verantwortlichkeit gegründetes Leben herrscht und
doch ein sinnvolles Ineinanderarbeiten und eine zusammengefaßte Einheitlichkeit unserer
Anstaltstätigkeit gewährleistet ist. Es gibt nichts verwickelteres als das innere Leben
eines Krüppelheims, aber die von uns ohne Vorbild geschaffene Organisation hat doch
gehalten, was wir uns von ihr erhofften, und wird dies in noch höherem Maße tun,
wenn erst die Räumlichkeiten ebenso modern und zweckentsprechend sind, wie das
innere Gefüge.
Ein besonderes Freignis für unser Haus war die Beteiligung an der Dresdner
Internationalen HAygieneausstelluug 1911, wo die deutsche Vereinigung für Krüppelfürsorge
 einen eigenen,Pavillon errichtet hatte, der in gegenständlicher Weise auf 240 qm
Bodenfläche das ganze große Gebiet vorführte. Da die Anregung dazu von dem Leiter
unserer Anstalt ausgegangen war und auch die Hauptarbeit der Ausführung in seinen
Händen lag, so hatte unser Haus genügend Veranlassung, die Ausstellung in allen
Abteilungen reichlich zu beschicken, was sie um so lieber tat, als es ihr von ihrer
Begründung an am Herzen gelegen hat, nicht nur für ihr satzungsgemäßes Wirksamxeitsgebiet,
 Berlin-Brandenburg, zu arbeiten, sondern sich auch in den Dienst der allgemeinen
 großen Krüppelsache und ihrer Ausbildung in neuzeitlicher Form zu stellen.
Der Erfolg war ein ungeahrter: 320392 Besucher gingen während des Sommers
1912 durch den Pavillon, im Durchschnitt täglich 1800! An den Sonntagen waren
es immer mehrere tausend, meist über 4000, einmal 5345. Es ist einleuchtend, wie
tiefgehend der Einfluß einer solchen Veranstaltung sein mußte. Die hauptsächlichsten
Ausstellungsgegenstände, darunter die ganze wertvolle ärztliche Abteilung, sind als