Finige Stimmen aus der Berliner Presse über diese Veranstaltung lauteten:
Das Kinderliebeswerk am Urban.
„Wolhnltaten still und rein gegeben,
Sind Tote, die im Grabe leben,
Sind Blumen, die im Sturm besteh'n,
Sind Sternlein, die nicht untergeh'n“
Unter diesem Zeichen veranstaltete die „Berlin-Brandenburgische Krüppel-Heilund
Erziehungsanstalt‘“ am Urban für ihre Zöglinge und geladenen Gäste einen Unterhaltungsnachmittag.
Diesem vorauf ging eine Besichtigung der Anstalt unter Führung
des verdienstvollen Erziehungsinspektors Würtz, eines Anstaltsarztes und der Vorsitzenden
Frau Oskar Pintsch. Die genannte Anstalt sowohl als auch ihre wahrhaft
edien menschenfreundlichen Zwecke und Ziele sind schen des öfteren an dieser und
anderer Stelle unseres Blattes beleuchtet und gewürdigt worden. Immer wieder aber
rührt und drängt es an die Herzen der Besucher und ringt ihnen Wertschätzung und Bewunderung
ab, über die ernste und schwere Liebesarbeit, die hier, so recht in der Stille,
geleistet wird. Welch ein übergroßes Maß des Jammers, welch eine Anhäufung von Leid
und Weh auf der einen und welche Fülle von strenger Pflichterfüllung, opferfreudiger
Hingebung und nimmermüder Liebe auf der anderen Seite tritt dem Besucher an dieser
gebrechlichen und verkrüppelten Kindern geweihten Stätte entgegen. Vor fünf Jahren
wurde die Krüppel-Heil- und -Erziehungsanstalt mit acht Betten eröffnet. Heute zählt
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Handübungsklasse
sie nahezu an anderthalbhundert, und da die Räume sich schon längst als zu klein
erwiesen haben, wurde ein Gelände im Grunewald erworben, auf dem Sich in nicht zu
langer Frist ein stattlicher Neubau erheben wird, der mit 250 Betten belegt werden soll.
Es dürfte bekannt sein, dass an die Heilanstalt eine Schule und eine Erziehungsanstalt anzegliedert
ist, in welcher dieienigen Insassen, die nicht als völlig geheilt entlassen
werden viele Jahre hindurch, oft bis zu ihrer Erwachsenheit, verbleiben können, die
Schule besuchen und später, je nach Befähigung, zur Selbstbetätigung auf den verschiedensten
gewerblichen Gebieten herangezogen werden. Der Herr ErziehungSsinspektor
Würtz hob in seiner Ansprache hervor, dass der Arzt selbstverständlich die
erste Stelle im Hause einnehmen müsse, um körperliche Gebrechen zu heilen; dass
aber ohne den Lehrer und Frzieher, als den Arzt der Seele, die ihnen anvertrauten kleinen
Menschenwesen auch körperlich nicht gesunden könnten und daher, um gute Resultate
zu erzielen, Arzt und Lehrer Hand in Hand gehen müssten. Nach der Ansprache und
Begrüssung der Gäste begann der Unterhaltungsnachmittag, der ein überaus wichtiges
Moment bildet in den sonst begreiflicherweise ziemlich gleichmäßigen Einerlei des Lebens
der Anstaltsinsassen. und um möglichst alle daran teilnehmen zu lassen, hatte man eine