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Vorwort.
Zu unserm eignen Bedauern hat der Ende 1911 fällige Rechenschaftsbericht aus-[allen
müssen; er war vollständig vorbereitet, wurde aber noch um ein Vierteliahr
bis Ostern 1912 hinausgeschoben, weil wir hofften, daß bis dahin die Frage des Neubaus
geklärt, ja, daß wir gar in der Lage sein würden, um diese Zeit den Grundstein zu
'egen. Aber immer wieder türmten sich neue Schwierigkeiten auf, bis auch dieses
Jahr nahezu verflossen ist.
Dafür haben wir nun auch die Freude, mitteilen zu können, daß wir ein
passendes Grundstück erworben, ja, daß ‚unser neues Heim bereits begonnen ist
und mehrere Stockwerke hoch über Feld und Flur schaut.
Um dieser frohen Nachricht willen werden unsere Freunde uns den Ausfall eines
Berichtes nachsehen, zumal sie sich aus den nachstehenden Seiten davon überzeugen
werden, daß wir fleißig weiter gearbeitet und ung&ere Anstalt innerlich immer weiter
ausgebaut, ja, durch Errichtung einer Fürsorge- und Beratungsstelle mit orthopädischer
Poliklinik ein ganz neues, verheißungsvolles Arbeitsfeld betreten haben.
Wir danken herzlich allen Behörden, die uns ihre Kinder anvertraut, insonderheit
denen, die uns die Geldbeschaffung für unseren Neubau ermöglicht haben, und bitten
um die Erhaltung dieses großen Vertrauens, das unser Haus durch gesteigerte Tätigkeit
entgelten wird.
‚Aber unsere Arbeit drängt uns vorwärts, für das neue Haus und namentlich
seine Inneneinrichtung fehlen uns noch erhebliche Mittel, die wir nicht anders aufzubringen
vermögen, als dadurch, daß wir uns an den Gemeinsinn und das soziale
Verständnis unsrer Freunde wenden, für dessen Betätigung hier eine Gelegenheit ganz
besonderer Art sich bietet. Jede soziale Hilfe ist ein Dienst am Einzelwesen, gesehen
durch das Interesse der Allgemeinheit; jeder erwerbsfähig gemachte Krüppel wird aus
einem unsozialen ein soziales Mitglied der menschlichen Gesellschaft, aus einem Werte
verzehrenden ein neue Werte sSchaffendes. Wer uns also unterstützt, sei es durch Erwerbung
der Mitgliedschaft oder Hergabe einer einmaligen Summe oder Errichtung eines
Vermächtnisses, wie das schon mehrfach geschehen ist, der tut nicht nur wohl im
herkömmlichen Sinne, sondern er wird ein Förderer der großen uns alle umspannenden
bürgerlichen und völkischen Gemeinschaft, indem er neue wirtschaftliche und ethische
Werte*frei machen hilft und damit einen Teil dessen zurückerstattet, was ihm die Zugehörigkeit
zu seinem Volke für sein persönliches Leben und Gedeihen geschenkt hat
Was uns am meisten fehlt, sind Freibetten. Zwar erhalten wir einige Kinder
vorübergehend kostenlos, aber der Anstaltsleiter ist an den knappen. Haushaltsplan
gebunden und muß leider oft genug Kinder abweisen, denen eine Aufnahme dringend
not täte, für die aber niemand einspringen kann, auch nicht eine Armenverwaltung,
weil die ordnungsmäßigen Voraussetzungen fehlen. Namentlich betrifft das Ausländer
ynd uneheliche Kinder, häufig die verlassensten unter den vielen Einsamen