Full text : Rechenschafts-Bericht über die Berlin-Brandenburgische Krüppel-Heil- und Erziehungsanstalt, Berlin, 4.1910/12 (4.1910/12)

linie angeschlossen wird, die durch die Kronprinzenallee und Cecilienstraße über Zehlendorf
 nach Teltow, Klein-Machnow und dem Stahnsdorfer Zentralfriedhof laufen und
an der Mauer unserer Anstalt vorüberrollen wird. Es sei ferner erwähnt, daß auch die in
der Potsdamer Chaussee liegende Straßenbahn, die jetzt am Botanischen
Garten endet, bis Zehlendorf weiter geführt werden wird. Wir hätten damit die denkbar
besten unmittelbaren und schnellsten Verbindungen : von
unserem Heim nach allen Richtungen Groß- Berlins, und kein
anderer Platz an der Peripherie hätte uns diese für unser Haus lebenswichtigen Verkehrsmittel
 auch nur annähernd so geboten.

Die zweite Hauptschwierigkeit lag in der Beschaffung des Baugeldes. Es war
von vornherein klar, daß die Anstalt eine gewisse Größe haben müßte, um erstlich dem
vorhandenen Bedürfnisse zu genügen, dann aber auch, um ihre Wirtschaftlichkeit zu
heben. Die Hauptmasse der Einrichtungen, Operationsräume, Röntgenzimmer, Turnsaal,
 Schule, Wäscherei, Küche, Infektionshaus mußten anf alle Fälle in ausreichenden
Massen vorhanden sein und entsprechend ausgestattet weiıden, gleichgiltig ob die Belegziffer
 nur 100 oder 300 Betten betrug; das hinzukommende Mehr beschränkt sich lediglich
 auf die Schlafräume derjenigen Kinder, welche über das erste Hundert hinaus
gehen.

Nach sorgfältigster Berechnung auf Grund der bisherigen Erfahrungen wurde vom
Direktor der Anstalt ein Wirtschaftsplan aufgestellt, der von mehreren Fachleuten und
vom Kuratorium nachgeprüft und gutgeheißen wurde. Daraus ergab sich, daß bei der
für unser Haus geschaffenen Form eine Belegung von 250 bis 300 Betten die zweckentsprechendste
 sei. Außerdem wurde die Einrichtung einer Abteilung I. und II. Klasse
für Kinder der besser gestellten Bevölkerungsschichten mit
höheren, wenn auch mäßigen, Verpflegungssätzen in Aussicht genommen, zumal wir
damit einem dringenden Bedürfnis entgegenkommen. Denn es gibt zurzeit
in Deutschland keine Anstalt, in welcher auch die Kinder der wohlhabenden
 Kreise‘ gleichzeitig klinische Behandlung, Schulunterricht, Handwerksbeschäftigung
 und dazu alle Vorteile der in Wald, Licht und Landluft liegenden
Heilfaktoren genießen können. Zwar hat man private Kliniken und private Erziehungsheime,
 aber die moderne alles umfassende Organisation der Krüppelfürsorge steht
bisher den Wohlhabenden nicht zur Verfügung.

Zückseitige Ansicht des neuen Heims.